Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Dr. Katarina Barley, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypZitat | Datum20. November 2018 | Person Dr. Katarina Barley„Um den Opferschutz im Strafverfahren zu verbessern werden wir es auch bei erwachsenen Opfern von Sexualdelikten ermöglichen, eine Videoaufzeichnung der richterlichen Vernehmung in der Hauptverhandlung zu verwenden. Dadurch werden künftig überflüssige mehrfache Vernehmungen vermieden.“

Dr. Katarina Barley zur heute vorgestellten BKA-Statistik zur Partnerschaftsgewalt 2017

„Das Ausmaß der Gewalt zwischen Menschen, die sich sehr nahe stehen oder einmal sehr nahe standen, ist schockierend.

Die eigenen vier Wände können für viele Frauen und manche Männer zur Hölle werden. Die seelischen und körperlichen Verletzungen sind besonders tief, wenn sie einem Menschen aus dem engsten Umfeld zugefügt werden. Dem zu entkommen, sich selbst und oft auch die eigenen Kinder zu schützen, ist unendlich schwer.

Ich bin Franziska Giffey dankbar, dass sie erstmals seit Gründung des ersten Frauenhauses 1976 Kommunen mit Bund und Ländern an einen Tisch bringt, um Hilfe und Betreuung auszubauen.

Im Strafrecht haben wir vor zwei Jahren den Grundsatz "Nein heißt Nein" durchgesetzt. Bei einer Vergewaltigung kommt es nicht mehr darauf an, dass sich das Opfer wehrt. Das war ein Meilenstein für die sexuelle Selbstbestimmung, vergleichbar mit der Einführung der Strafbarkeit bei Vergewaltigung in der Ehe vor gerade einmal etwa 20 Jahren. Mein Eindruck ist, dass das Bewusstsein wächst und die Zahl der Ermittlungsverfahren seit "Nein heißt Nein" weiter zunimmt.

Die heute veröffentlichten Zahlen spiegeln nur die angezeigten Taten wider. Das Dunkelfeld ist groß. Wir müssen weiterhin Tabus brechen und Frauen ermutigen, Unterstützung zu suchen und Taten anzuzeigen.

Um den Opferschutz im Strafverfahren zu verbessern werden wir es auch bei erwachsenen Opfern von Sexualdelikten ermöglichen, eine Videoaufzeichnung der richterlichen Vernehmung in der Hauptverhandlung zu verwenden. Dadurch werden künftig überflüssige mehrfache Vernehmungen vermieden. Wenn Opfer angstfrei über ihre furchtbaren Erlebnisse reden können, erleichtert das auch die Strafverfolgung.“