Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypRede | Datum22. Juni 2018 | Person Dr. Katarina BarleyJustizministerin Dr. Katarina Barley bei der Preisverleihung „Jugend testet 2018“ der Stiftung Warentest

Justizministerin Dr. Katarina Barley bei der Preisverleihung „Jugend testet 2018“ der Stiftung Warentest

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!

Sehr geehrter Herr Primus,
liebe Testerinnen und Tester,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
verehrte Gäste!

Für meine Arbeit als Verbraucherschutzministerin ist es wichtig zu wissen, welche Themen und Trends die Jugend bewegen. Umso mehr freue ich mich, hier heute viele junge Menschen zu treffen, die die alltägliche Konsumwelt ebenso kritisch wie kreativ hinterfragen.

Wenig überraschend ist, dass dabei digitale Angebote besonders im Fokus stehen. Zu Recht fragen sich junge Menschen:

  • Wo bieten digitale Angebote einen echten Mehrwert?
  • Was dient nur dazu, meine Aufmerksamkeit zu binden, mich mit Werbung zuzuballern oder mich im schlimmsten Fall abzuzocken?
  • Kann ich den sozialen Netzwerken persönliche Informationen anvertrauen, ohne Angst vor Datenmissbrauch haben zu müssen?

Liebe Testerinnen und Tester,
die gesellschaftlichen Weichenstellungen für die Zukunft, die Ihr vor Euch habt, finden bereits heute statt. Umso mehr solltet Ihr Euch schon jetzt informieren, aktiv einbringen und mitgestalten!

Immer wieder ist zu hören und zu lesen, dass Jugendliche heute schon von klein auf zu unkritischem Konsum ermuntert und ständig von Werbung „umspült“ werden:

  • Es gibt online wie offline immer weniger werbefreie Räume, der Alltag der Heranwachsenden ist stark kommerzialisiert.
  • In der klassischen Werbung wie auch durch Influencer in den sozialen Medien werden Produkte symbolisch aufgeladen und überhöht.
  • Es entsteht ein Druck zur permanenten Selbstoptimierung und Selbstdarstellung. Konsum dient dabei als Ausdruck der Individualität und der Abgrenzung.

Heutige Jugendliche konsumieren denn auch tatsächlich signifikant mehr als die früherer Generationen, ganze Produktgruppen und Werbeinstrumente sind speziell auf sie zugeschnitten. Marktforschung und Marketing unternehmen erhebliche Anstrengungen, um die Konsumpotenziale der unteren Altersklassen systematisch abzuschöpfen.

Meine Damen und Herren,
angesichts der Größe der Auswahl und oft intransparenter Märkte wird es für junge Verbraucherinnen und Verbraucher immer wichtiger, ihre Konsumbedürfnisse zu reflektieren und auf verlässliche Informationen zurückgreifen zu können.

Deshalb will ich in meiner Arbeit einen Schwerpunkt auf den Bereich der „jungen Verbraucherpolitik“ legen: Wir wollen mehr über die Lebenswirklichkeit, die Bedürfnisse und die Wünsche der jungen Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren.

Unser Ziel ist es, Jugendliche dabei zu unterstützen, eigene Kompetenzen für einen möglichst selbstbestimmten und sinnvollen Konsum zu entwickeln.

Dazu haben wir bereits mehrere Projekte angestoßen:

  • So haben wir ein Portal entwickelt, das es Lehrkräften aller Schultypen erleichtern soll, geeignete Materialien zur Verbraucherbildung zu finden.
  • Und wir fördern Aktivitäten der Verbraucherzentralen in den Bundesländern, die Heranwachsende beim Umgang mit dem ersten eigenen Geld unterstützen.

Meine Damen und Herren,
die ab 1995 Geborenen werden ja gern als „digital natives“ bezeichnet: Laut aktuellen Befragungen besitzen 96 Prozent aller zehn- bis 19-jährigen ein Smartphone. Viele organisieren darüber wesentliche Teile ihres Alltags und ihrer persönlichen Beziehungen.

Dies spiegelt sich auch in der erneut großen Zahl an Wettbewerbsbeiträgen für „Jugend testet“ wider, die sich mit Fragen rund um Apps und Social Media befassen.

Entsprechend nehmen digitale Themen auch auf der Agenda des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz großen Raum ein.

Es geht uns darum, die Menschen auch im Internet vor Manipulation und Datenmissbrauch, vor kriminellem Hass und Hetze zu schützen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen die digitalen Chancen nutzen können, ohne Angst haben zu müssen.

Voraussetzung ist, dass die Nutzerinnen und Nutzer überhaupt ihre Rechte und Handlungsoptionen kennen. Mit diesem Ziel fördert unser Ministerium etwa das Portal „mobilsicher.de“: „Mobilsicher.de“ bündelt Informationen über den sicheren Umgang mit Smartphones und Tablets nutzergerecht und praxisnah. Auch werden die Funktionen von Apps kritisch durchleuchtet.

„Jugendschutz.net“ – das Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Jugendschutz im Internet – hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest eine Testmethode entwickelt, um Apps hinsichtlich ihrer Risiken für den Jugend-, Verbraucher- und Datenschutz zu untersuchen.

Viele Apps erreichen dabei keine gute Bewertung:

  • Der Spielspaß vergeht schnell, wenn man nach wenigen Levels einfach nicht mehr weiterkommt – es sei denn, man hinterlegt seine Kontodaten und kauft immer wieder zusätzliche „Leben“ oder Superkräfte.
  • Und es ist nervig, aus Versehen auf Werbung zu klicken und dann minutenlang Videos anschauen zu müssen, die sich nicht unterbrechen lassen.

Wer nicht nur sein Verhalten ändern oder seine Konsumentscheidungen optimieren, sondern auch aktiv werden und Einfluss geltend machen will, dem empfehle ich unsere jährliche Jugendkonferenz „WebDays“ – unter dem Motto: „Jugendliche gestalten die digitale Lebenswelt der Zukunft“

Außerdem wollen wir zusammen mit einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der „WebDays“ sogenannte „Massive Open Online Courses“ zu Verbraucherschutzthemen entwickeln. Das sind kostenlose Online-Kurse, die unterschiedliche Formen der Wissensvermittlung kombinieren: Es gibt Video- und Lesematerial, aber auch Foren, in denen über die Inhalte diskutiert werden kann.

Meine Damen und Herren,
der heutige Wettbewerb „Jugend testet“ ist mit seiner bald 40-jährigen Tradition inzwischen ein richtiger Klassiker! Seit 1979 ist er dem Ziel verpflichtet, Jugendliche bei der Entwicklung eines kritischen Konsumverhaltens zu unterstützen.

Auch die diesjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bei den von ihnen durchgeführten Tests eigene Maßstäbe und Prüfkriterien entwickelt und dabei einige kreative Einfälle gezeigt!

Sie haben ihre Vorstellungen von Produkten und Dienstleistungen eingebracht – und sich gerade eben nicht allein von der Aufmachung oder von Werbeversprechen leiten lassen.

Und es ist schön zu sehen, dass bei aller Digitalisierung auch heute noch analoge Produkte wie Haargummis oder Schnürsenkel untersucht werden. Manche Dinge lassen sich einfach noch nicht durch eine App ersetzen!

Lieber Herr Primus,
die Stiftung Warentest leistet mit „Jugend testet“ einen wertvollen Beitrag zur Verbraucherbildung. Ich danke Ihnen sowie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz herzlich, dass sie diesen Wettbewerb auch 2018 wieder ermöglicht haben!

Meine Glückwünsche gelten den Preisträgerinnen und Preisträgern, aber auch allen anderen jungen Testerinnen und Testern, die Ideenreichtum, Forschergeist und kritisches Bewusstsein bewiesen haben!

Herzlichen Dank.