Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypNamensartikel | Datum21. Februar 2016 | Person Heiko MaasWer bestellt, der zahlt – Was bringt das Bestellerprinzip?

Seit rund neun Monaten gilt die neue Regelung im Maklerrecht für den Mietwohnungsmarkt. Sie bleibt umstritten, auch weil sie für Mieter und Makler unterschiedliche Auswirkungen hat.

Medium: www.xing.com

Wer in den vergangenen Jahren aus beruflichen oder familiären Gründen eine Wohnung auf einem angespannten Wohnungsmarkt gesucht hat, kennt das Problem: Neben den Kosten für den Umzug und der Kaution für die neue Wohnung wurde oftmals noch eine Courtage für einen Makler fällig. Und das, obwohl man selbst gar keinen Makler beauftragt hatte und die Höhe der Courtage nicht beeinflussen konnte.

„Das Bestellerprinzip ist ein Gebot der Fairness.“
Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz

Wenn man dann auch noch an einen Makler gerät, der auf einer Massenbesichtigung lediglich die Tür aufschließt und die Bewerbungsbögen einsammelt, sich aber ansonsten nicht unbedingt durch große Sachkenntnis oder Kundenorientierung auszeichnet, muss man sich nicht wundern, dass die Maklerbranche nicht zu den beliebtesten Berufsfeldern Deutschlands zählt. Für eine Leistung, die sie selbst gar nicht in Auftrag gegeben hatten und die in erster Linie dem Vermieter zugutekommt, mussten Mietinteressenten – abhängig von der Miethöhe – weit über 1000 Euro zahlen.

Ein Grundprinzip der Marktwirtschaft

Dies hat sich durch die Einführung des Bestellerprinzips geändert. Denn seit dem 1. Juni letzten Jahres gilt nun auch im Maklerrecht: Wer die Leistung bestellt, muss sie bezahlen. Das ist ein Grundprinzip der Marktwirtschaft. Es ist aber auch und vor allem ein Gebot der Fairness.

Kritiker warnten, Vermieter und Makler würden versuchen das Bestellerprinzip mit rechtswidrigen Absprachen zu umgehen, indem sie die Maklerkosten durch überhöhte Abstandszahlungen oder eine Erhöhung des Mietzinses auffangen. Diese Befürchtung teile ich nicht. Ich denke, man kann grundsätzlich davon ausgehen, dass Vermieter und Makler sich an geltendes Recht halten. Außerdem sind Umgehungsversuche des Bestellerprinzips unwirksam und können mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro geahndet werden. Die Möglichkeit eines Aufschlags auf die Miete wird von der Mietpreisbremse begrenzt.

Auch die Sorgen einiger Makler, ihre Branche werde am Bestellerprinzip zugrunde gehen, halte ich für übertrieben. Die Arbeit von Maklern beschränkt sich nicht darauf, eine Massenbesichtigung zu organisieren und dann unter den Mietinteressenten diejenigen mit dem höchsten Gehaltszettel auszusuchen. Makler müssen häufig den Vermieter bei der Höhe des Mietzinses beraten, das Mietobjekt richtig bewerben und einen Mieter auswählen, der nicht nur die Miete bezahlen kann, sondern auch möglichst gut zur Mietergemeinschaft passt.

Makler werden weiter gebraucht

Diese Arbeit hat einen Wert. Nur muss ihn jetzt auch derjenige bezahlen, der von der Maklerleistung tatsächlich profitiert: der Vermieter. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und es wird weiterhin viele Mieter geben, die bei der Wohnungssuche die Hilfe von Maklern benötigen werden. Entweder weil sie deren Expertise und Kontakte nutzen wollen oder eine Wohnung weit entfernt von ihrem jetzigen Wohnort suchen.

Die Mehrzahl der Makler hat ihre Geschäftsmodelle bereits ohne größere Probleme umgestellt. Außerdem eröffnet das Bestellerprinzip auch Chancen für neue Geschäftsmodelle. Da nun die Leistung auch tatsächlich von dem bezahlt wird, der sie bestellt, bieten sich neue Möglichkeiten für Angebote, die kundenorientiert und preislich attraktiv sind. Eine Reihe von Start-ups, die dabei geschickt die Möglichkeiten des Internet nutzen, machen vor, wie die Zukunft des Maklerberufs aussehen könnte.

Zusatzinformationen

Weitere Meldungen