Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Headline Fritz Bauer Studienpreis „Fritz Bauer Studienpreis“ für Nachwuchsjuristen verliehen

Bundesjustizminister Heiko Maas hat am 4. Juli zum zweiten Mal den vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ausgelobten „Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte“ verliehen. Ausgezeichnet wurden drei Nachwuchsjuristen für ihre herausragenden Doktorarbeiten.

Bundesminister Heiko Maas zusammen mit den Preisträgerinnen und dem Preisträger des Fritz Bauer Studienpreises 2017. Maas zeichnet Nachwuchsjuristen mit „Fritz Bauer Studienpreis“ aus Foto: BMJV

„Fritz Bauer ist zu seinen Lebzeiten verfolgt, umstritten, ja verhasst gewesen. Heute aber ist er für die Justiz und für uns Juristen ein Vorbild – und deshalb ist er genau der richtige Namenspatron für diese Auszeichnung. Mit unserem Preis wollen wir Nachwuchsjuristinnen und -juristen auszeichnen, die sich in ihrer Doktorarbeit mit Fritz Bauer, seinem Werk oder seinen Lebensthemen befasst haben."
Bundesminister Heiko Maas

Bundesjustizminister Heiko Maas hat den Studienpreis 2014 gestiftet, um an den einstigen hessischen Generalstaatsanwalt und Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses Fritz Bauer (1903-1967) zu erinnern. Mit dem Preis sollen Nachwuchsjuristinnen und -juristen motiviert werden, sich mit Leben, Werk und Lebensthemen Fritz Bauers zu befassen.

Die Preisträgerinnen und der Preisträger

Dr. Franceline Delgado Ariza von der Universität Frankfurt am Main erhält den Preis für ihre Dissertation „Die Rolle des Strafrechts in Übergangsprozessen ohne Übergang. Überlegung anhand des Falles Kolumbien“. Ihre Arbeit schlägt eine Brücke von Fritz Bauers Anstrengungen, die nationalsozialistischen Verbrechen zu ahnden, zum aktuellen Friedensprozess in Kolumbien und die dortigen Versuche, das vergangene Unrecht justizförmig zu bewältigen.

Dr. Katharina Krämer von der Universität Jena wird für ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Individuelle und kollektive Zurechnung im Strafrecht“ geehrt. Sie geht der Frage nach, wie Straf-taten, die im arbeitsteiligen Zusammenwirken begangen werden, geahndet werden können. Ein Thema, das bereits Fritz Bauer vielfach beschäftigte. Frau Krämer setzt sich aber nicht nur mit den Massenverbrechen des Nationalsozialisten auseinander, sondern macht auch Vorschläge, wie das Strafrecht heute auf arbeitsteilig begangene Kriminalität reagieren sollte, etwa bei Straftaten, die aus einem Unternehmen heraus im Interesse dieses Unternehmens begangen werden.

Dr. Christoph Thiele, der an der Universität Greifswald promoviert hat, wird für seine Doktorarbeit über „Ehe- und Familienschutz im Strafvollzug“ ausgezeichnet. Herr Thiele plädiert in seiner Arbeit für eine familienfreundliche Gestaltung des Strafvollzugs, um das Ziel der Freiheitsstrafe zu fördern, den Gefangenen auf ein künftiges Leben ohne die Begehung von Straftaten vorzubereiten. Dies ist ein Ansatz, der ganz im Sinne Fritz Bauers ist, der sich als Strafrichter und Staatsanwalt stets auch um die Belange von Strafgefangenen und deren gekümmert hat.

Zur Person Fritz Bauer

Fritz Bauer, einstiger Generalstaatsanwalt von Hessen, ist vor allem als Initiator des Auschwitz-Prozesses, der von 1963 bis 1965 in Frankfurt am Main stattfand, bekannt. Bauer wurde 1903 in Stuttgart als Kind jüdischer Eltern geboren und wurde 1930 einer der jüngsten Richter Deutschlands. In der Weimarer Republik engagierte er sich u.a. im Republikanischen Richterbund für die Demokratie. Die Nationalsozialisten vertrieben Bauer 1933 aus dem Richteramt und inhaftierten ihn kurzzeitig in einem Konzentrationslager. Den Holocaust überlebte er, da er 1936 nach Dänemark, später nach Schweden emigriert war. 1949 kehrte Bauer nach Deutschland zurück, wirkte zunächst in Braunschweig und ab 1956 als Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main.

Bauer setzte sich gegen große Widerstände in der westdeutschen Nachkriegsjustiz für die Strafverfolgung von NS-Tätern ein. Neben dem Auschwitz-Prozess unterstützte er israelische Behörden auch bei der Ergreifung des einstigen SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann, dem Organisator des Holocausts. Fritz Bauer engagierte sich zudem für ein modernes Strafrecht und einen humanen Strafvollzug, der stets die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellte. Heute vor 47 Jahren, am 1. Juli 1968, starb Bauer in Frankfurt am Main. Mit seinem unerschütterlichen Engagement für eine Justiz, die an demokratischen, sozialen und humanistischen Werten orientiert ist, ragte er aus der westdeutschen Nachkriegsjustiz weit heraus.

Zusatzinformationen

Broschüre

Fritz Bauer - "Ein Held von gestern für heute"

Fritz Bauer - "Ein Held von gestern für heute"

Fritz Bauer - "Ein Held von gestern für heute" (verweist auf: Fritz Bauer - "Ein Held von gestern für heute")