Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Headline GESCHICHTSKINO im BMJV Eine Geschichte von Hoffnung und Mut, die überleben

Rund 160 Zuschauer folgten am 25. April gespannt dem mehrfach ausgezeichneten Film „Nebel im August“ – denn Bundesminister Heiko Maas hatte wieder einmal zum GeschichtsKINO ins BMJV geladen. Moderatorin Dunja Hayali führte durch den Abend.

Das Bild zeigt den Gustav-Heinemann-Sall des BMJV mit Blick auf das Podium während der Diskussion. "Wenn ich Filme wie diesen sehe, übersteigt es immer wieder meine Vorstellungskraft, wie all das geschehen konnte und wie Menschen dabei einfach zusehen konnten", beschreibt Heiko Maas seine Eindrücke nach dem Film. Foto: photothek/Inga Kjer

Nach den 120 Minuten des Films war es lange still im vollbesetzten Saal des BMJV. Zu beeindruckend und zugleich auch bedrückend war die Geschichte, die der Film „Nebel im August“ erzählt: Der 13-jährige Ernst Lossa, Sohn fahrender Händler und Halbwaise, kommt nach mehreren Kinder- und Erziehungsheimen Anfang der 1940er schließlich in eine Nervenheilanstalt in Süddeutschland. Nach kurzer Zeit bemerkt er, dass unter der Klinikleitung von Dr. Veithausen Insassen getötet werden. Der aufgeweckte und unangepasste Ernst setzt sich mutig zur Wehr und versucht, den behinderten Patienten und Mitgefangenen zu helfen. „Man wünscht sich, es wäre eine fiktive Geschichte“, eröffnet Moderatorin Dunja Hayali schließlich die Diskussion.

„Ich habe die Verantwortung gespürt, dass diese Geschichte erzählt werden muss“, erklärte Produzent Ulrich Limmer. Zu lange, so Limmer, wurde dieses Thema verschwiegen. Dieses stamme zwar aus der Vergangenheit, wie Bundesminister Heiko Maas ergänzt, aber die Botschaft sei aktueller denn je. Man müsse sich der Vergangenheit und damit auch der Verantwortung stellen.

Eine Geschichte ohne Happy End

Insgesamt 200.000 Menschen fielen dem Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten zwischen 1939 und 1944 zum Opfer. Unter ihnen auch der junge Ernst Lossa. Das besondere an ihm: Von den Nationalsozialisten als Aussätziger und „Zigeuner“ verfolgt, hatte er als Einziger den Mut, sich gegen das menschenverachtende System in der Nervenheilanstalt zu wehren bis er schließlich im August 1944 durch eine Giftspritze getötet wurde.

„Wir haben der Geschichte bewusst kein Happy End gegeben“, betonte Limmer. „Denn das gab es nicht, es war so grausam, wie der Film es erzählt.“ Der Film zeige sehr genau die erschreckende Realität, so Michael von Cranach, historischer Berater des Films. Von Cranach hatte 1980 die Leitung der Klinik übernommen, in die auch Lossa eingewiesen wurde. Er wusste zuvor nichts über deren Vergangenheit und begann schließlich in den Archiven zu recherchieren. Dabei fiel ihm als erstes das Bild von Ernst Lossa und dessen Krankengeschichte in die Hände. Und so recherchierte er weiter, bis die ganze Geschichte des unmenschlichen Systems, das sich den Anstrich der strengen Wissenschaftlichkeit gegeben hatte, ans Licht kam.

Man kann immer etwas ändern

Als einer der wenigen Filme rückt „Nebel im August“ am Ende nicht die Täter, sondern die Opfer in den Mittelpunkt der Geschichte, allen voran Hauptfigur Ernst Lossa, gespielt von Ivo Pietzcker. Für den jungen Schauspieler war es eine besondere Erfahrung, für zwei Monate in diese Rolle einzutauchen. Eine Frage blieb auch nach dem Dreh hängen: Was hätte ich in dieser Situation gemacht? „Meine Figur hat mir gezeigt, dass man nicht immer klein beigeben sollte, man kann immer etwas ändern. Daran kann sich jeder auch heute ein Beispiel nehmen“, beschrieb Pietzcker.

Vor allem die Arbeit am Drehbuch sei eine große Herausforderung gewesen, wie Limmer erklärte. „Uns war es wichtig, Emotionen zu erzeugen, ohne kitschig zu werden.“ Besonders schwierig war für das Team die Figur des Chefarztes Dr. Veithausen. „Es war für uns unfassbar, wie jemand erst noch mit den Kindern spielt und sie dann zurück in seinem Büro auf die Todesliste setzt.“ Dieses Gefühl beschrieb auch Hauptdarsteller Ivo Pietzcker am Abend im BMJV. „Die Vorstellung, dass diese Menschen tatsächlich existiert haben, war schwer zu begreifen.“

Idee der Freiheit und des Mutes, die nicht getötet werden können

Obwohl Ernst Lossa dem Euthanasie-Programm zum Opfer fiel, zeigt der Film doch: Die Idee der Freiheit und des Mutes, die Hoffnung, dass es Menschen gibt, die sich auflehnen, kann nie getötet werden.
„Man kann auch heute noch Mut beweisen und sich gegen Diskriminierung stellen, die wir heute im Alltag immer noch erleben“, betonte Heiko Maas zum Ende der Diskussion. Die schweigende Mehrheit unserer Gesellschaft müsse wieder lauter werden.