Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Thema Justiz Neue bundesweite Rückfalluntersuchung

Im Auftrag des BMJV konnte die nunmehr dritte bundesweite Studie zur Legalbewährung fertig gestellt werden.

Ein Buch liegt auf einem Laptop.

Bundesminister Heiko Maas:
„Mit der aktuellen Untersuchung „Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen – eine bundesweite Rückfalluntersuchung 2010 bis 2013 und 2004 bis 2013“ können wir nunmehr für verschieden lange Zeiträume die Frage beantworten, ob Strafen einen Täter davon abhalten, erneut Straftaten zu begehen. Die gute Nachricht ist: Eine strafrechtliche Ahndung bleibt innerhalb von drei Jahren für die meisten sanktionierten oder aus der Haft entlassenen Personen ein einmaliges Ereignis. Dennoch wird etwa jeder Dritte im Beobachtungszeitraum von drei Jahren erneut straffällig. Binnen neun Jahren liegt die Rückfallquote bei 48 Prozent. Die höchsten Rückfallquoten zeigen sich unter anderem bei schweren Formen des Diebstahls. Diese Deliktsformen stehen gegenwärtig im Zentrum des rechts- und innenpolitischen Interesses. Wir werden noch in diesem Jahr eine Verschärfung der Strafbarkeit des Einbruchsdiebstahls auf den Weg bringen.“

Hintergrund

Mit der im Dezember 2016 erschienenen bundesweiten Rückfalluntersuchung versucht das BMJV die Frage zu beantworten, ob Strafen den oder die Täter davon abhalten, erneut gegen (Straf-)Gesetze zu verstoßen. Anhand von Eintragungen in das Bundeszentralregister wurde für den Zeitraum 2010 bis 2013 erfasst, ob Verurteilte sich nach Ablauf der Vollstreckung ihrer Strafe „legal bewähren“, also nicht rückfällig werden. Zwei frühere Untersuchungen betrachteten bereits die Zeiträume 2004 bis 2007 und 2007 bis 2010.

Eine Verknüpfung der jetzt vorliegenden drei Untersuchungen, die im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz erstellt worden sind, erlaubt die Überprüfung über einen insgesamt neunjährigen Zeitraum und zeigt, dass die Rückfallraten bei einer Verlängerung des Beobachtungszeitraumes von drei auf sechs Jahre zwar mäßig, aber dennoch deutlich von 35 Prozent auf 44 Prozent und im Verlauf weiterer drei Jahre nur noch gering, nämlich um rund 3 Prozent auf 48 Prozent ansteigen. Die überwiegende Mehrzahl der Rückfalltaten ereignet sich aber innerhalb der ersten drei Jahre, die Hälfte sogar innerhalb des ersten Jahres nach Verurteilung oder Entlassung.

Bei Betrachtung der einzelnen Deliktsgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede: So weisen Straßenverkehrsstraftäter (ausgenommen Fahren ohne Fahrerlaubnis) und wegen Tötungsdelikten Verurteilte mit weniger als 20 Prozent die niedrigsten Rückfallraten auf. Dagegen werden Täter von Raubdelikten und schweren Formen des Diebstahls zu mehr als 50 Prozent rückfällig.