Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Headline GeschichtsKINO im BMJV „Ich werde nicht unbedeutend bleiben“

Auch zum letzten GeschichtsKINO in diesem Jahr waren wieder zahlreiche Zuschauer ins BMJV gekommen. Bis auf den letzten Platz war der Saal am 1. November gefüllt. Moderatorin Katty Salié führte durch den Abend.

GeschichtsKINO im BMJV - Blick in den Saal „Die Botschaft des Films ist hier ganz klar: Wir dürfen nie schweigen“ Foto: Florian Gärnter/ photothek.net

Zum vierten Mal in diesem Jahr lud Bundesminister Heiko Maas zum „GeschichtsKINO im BMJV“. Diesmal auf der Leinwand: Das Tagebuch der Anne Frank.

Nachdem die Deutschen die Niederlande besetzten und sich auch dort die Situation für Juden verschlechterte, beschließt Vater Otto Frank 1943, mit der Familie das lange geplante Versteck im Hinterhaus seines Firmensitzes aufzusuchen. Dieses ist von nun an das „Zuhause“ der Familie. Die Hinterhausbewohner leben in ständiger Angst, fürchten, entdeckt und verraten zu werden. Und dennoch finden sie auch hier zu einem Alltag: Es wird gelacht, geweint, gestritten und sich versöhnt. In ihrem Tagebuch hält Anne ihre Gedanken, Ängste und Sehnsüchte fest.

Insgesamt fünf Jahre hat das Team an dem Film gearbeitet. 18 Drehbuchfassungen wurden geschrieben, bis der Film schließlich entstehen konnte. „Wir haben uns bewusst mit dem Film auf Anne und ihr Tagebuch konzentriert“, erklärt Drehbuchautor Fred Breinersdorfer, der neben Heiko Maas und Produzent Walid Nakschbandi zur Vorführung und anschließenden Diskussion gekommen war. Dazu hatte Breinersdorfer zum ersten Mal das gesamte Tagebuch, von dem unterschiedliche Fassungen im Laufe der Zeit veröffentlicht wurden, zur Verfügung. Zusätzlich konnte sich das Filmteam auf Aufzeichnungen und Aussagen von Freunden und anderen Zeitzeugen stützen, die Anne gekannt und erlebt hatten. „Damit schafft es der Film, den Zuschauer über zwei Stunden emotional zu fesseln“, beschreibt Heiko Maas seine persönlichen Eindrücke nach dem Film.

„Einmal wirst du sehr berühmt sein, Anne“

Mit ihrem Freund Peter, der ebenfalls mit im Versteck im Hinterhaus lebt, teilt Anne ihre Erlebnisse und Gedanken, die sie sonst nur ihrem Tagebuch anvertraut. Peter ist fasziniert von Anne und ihrer Leidenschaft für das Schreiben: „Einmal wirst du sehr berühmt sein, Anne“.

Und Peters Vorahnung und Annes Wunsch, eine bedeutende Schriftstellerin zu werden, erfüllen sich tatsächlich – ohne dass sie es ahnen konnten - mit ihrem Tagebuch. Aber sie ist mehr als eine Schriftstellerin, ihr Tagebuch und ihre Geschichte mehr als eine Dokumentation der Ereignisse ihrer Zeit. „Filme wie ‚Das Tagebuch der Anne Frank‘ werden nicht nur gemacht, um die Geschichte an sich zu erzählen“, erklärt Produzent Walid Nakschbandi. „Sie gehen weiter, regen zu Diskussionen an und bringen uns dazu, uns damit zu beschäftigen, was uns diese Geschichte auch heute mit auf den Weg geben will.“

Nie schweigen

Die Geschichte der Anne Frank sei zunächst einmal eine Geschichte über den Holocaust, so Heiko Maas. Aber die Fragen, die diese Geschichte uns stellt – Wie konnte das passieren? Wie konnten Menschen so etwas tun? – seien auch heute aktuell. „Der Film zeigt, wie Rassismus und Diskriminierung im Kleinen beginnt, aber auch wie das Zusehen und Geschehen lassen entsteht“, beschreibt Maas. Dies sei auch in unserer sich wandelnden Gesellschaft heute zu erkennen. Die „schweigende Mehrheit“ sei daher mehr denn je gefragt, das Schweigen zu brechen.

„Die Botschaft des Films ist hier ganz klar: Wir dürfen nie schweigen“, betont Nakschbandi. „Hinsehen, Gesicht zeigen – das ist es, worauf es ankommt.“

GeschichtsKINO im BMJV
Die Aufarbeitung der NS-Zeit und der deutschen Nachkriegsgeschichte finden in den Kinos derzeit große Beachtung. Mit der Veranstaltungsreihe wollen wir die zeitgemäße Darstellung der historischen Themen aufgreifen und sie in einem aktuellen, gesellschaftspolitischen Kontext diskutieren.

Zu der Veranstaltungsreihe wird es im nächsten Jahr weitere Filmvorführungen geben. Aktuelle Informationen hierzu finden Sie jeweils zeitnah unter www.bmjv.de/geschichtskino.