Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Headline Geschichte in bewegenden Bildern Der Mut eines Einzelnen

Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr, hob sich am 11. April erneut der Kinovorhang im BMJV zur Veranstaltungsreihe „GeschichtsKINO im BMJV“. Diesmal auf der Leinwand zu sehen: „Elser – Er hätte die Welt verändert“. Zur anschließenden Diskussion mit Bundesminister Heiko Maas waren Hauptdarsteller Christian Friedel und Drehbuchautor Fred Breinersdorfer gekommen.

GeschichtsKINO im BMJV: Der Mut eines Einzelnen Von links nach rechts: Fred Breinersdorfer; Heiko Maas; Katty Salié und Christian Friedel Foto: BMJV / Habig

München, 8. November 1939: Wenige Minuten nach Hitlers Jubiläumsrede explodiert eine Bombe hinter dem Rednerpult im Münchner Bürgerbräukeller. Acht Menschen sterben. Zeitgleich wird Georg Elser bei einer Grenzkontrolle festgenommen. Eine mitgeführte Karte des Anschlagortes und ein Sprengzünder machen ihn verdächtig. So die Ausgangssituation des Films. Nach seiner Festnahme wird Elser Gestapochef Heinrich Müller und Arthur Nebe, Chef der Kripo im Reichssicherheitsamt, zum Verhör überstellt und erfährt, dass sein Plan gescheitert ist. Nach tagelangen Verhören ist Elser schließlich geständig und schildert die Geschichte seiner Tat. In Rückblenden erfährt der Zuschauer so, welche Motive Elser zur Tat geführt haben.

„Wir lassen das Kino heute auf ein dunkles Stück Geschichte blicken“, so Bundesminister Heiko Maas in seiner Eröffnungsrede. „Und die Botschaft daraus ist für mich ganz klar: Wenn es im Gerechtigkeit und die Würde seiner Mitmenschen geht, kann jeder einzelne etwas beitragen. Daran erinnert Georg Elser, daran erinnert der Film und deshalb ist er für mich so aktuell und wichtig.“
Neben Heiko Maas waren auch Schauspieler Christian Friedel und Drehbuchautor und Produzent Fred Breinersdorfer zur Veranstaltung gekommen. Moderatorin Katty Salié führte durch den Abend.

Elser – der lange vergessene Anti-Held

„Der Film zeigt, wie der Nazismus Stück für Stück die Menschen und das Leben im Dorf, in dem Elser lebt, verändert“, beschreibt Drehbuchautor Fred Breinersdorfer. Daran könne der Zuschauer auch Stück für Stück die Stationen der Erkenntnis Elsers mitverfolgen, die schließlich zum seinem Attentat auf Hitler führten.

Lange jedoch wurde Elser vergessen. Warum? Er entspreche nicht dem klassischen Bild eines Helden, wie z.B. Stauffenberg, so Maas. Noch dazu gebe es kaum Informationen über Elser, ergänzt Breinersdorfer, die über die Verhörprotokolle hinausgehen. Insgesamt sieben Jahre hat der Autor am Film gearbeitet und erklärt: „Mit ein Grund, warum man so wenig über Elser weiß, ist auch, dass seine Umgebung nie stolz auf ihn als Widerstandskämpfer war.“

Was wäre gewesen, wenn?

Dabei hätte Elser, wie der Titel des Films bereits deutlich macht, mit seiner Tat die Welt tatsächlich verändern können. „Ich bin ein freier Mensch. Man muss machen, was richtig ist“, gibt Elser in seinem Verhör zu Protokoll. Und damit zeigt er: Ein einfacher Mann aus dem Volk hat klar erkannt, was Adel und Offiziere, Unternehmer und Kirchenmänner nicht sahen oder nicht sehen wollten. Georg Elser und seine Tat seien daher einer Erinnerung an das Versagen der gesellschaftlichen Eliten und zugleich eine Anklage, betont Maas. Denn seine Tat sei ein Beleg dafür, dass auch der sprichwörtlich „kleine Mann“ mehr wissen und tun konnte, als Millionen Mitläufer nach 1945 behauptet haben. Der Film werfe damit ein bezeichnendes Licht auf die Bevölkerung dieser Zeit.

Und was können wir von Elser lernen?

„Ich sehe vieles aus dem Film heute leider wieder“, erklärt Hauptdarsteller Christian Friedel. „Hier sind wir alle in der Pflicht, unsere Werte, die unsere Gesellschaft sich erarbeitet hat, zu schützen.“

Auch für Heiko Maas ist die Erinnerung an Menschen wie Elser ein besonderes Anliegen: „Die positive Erinnerung an die Menschen, die sich früher und mutiger als andere für die Gerechtigkeit eingesetzt haben, kann Vorbilder für die Gegenwart schaffen. Für eine Gegenwart, in der es dich sehr viel leichter ist, gegen Unrecht und Hass seine Stimme zu erheben, als das in der Vergangenheit oft der Fall war.“

GeschichtsKINO im BMJV
Die Aufarbeitung der NS-Zeit und der deutschen Nachkriegsgeschichte finden in den Kinos derzeit große Beachtung. Das neue Veranstaltungsformat des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz will diese zeitgemäße Darstellung unserer deutschen Geschichte – die ebenfalls eine Geschichte der deutschen Justiz darstellt – aufgreifen und in einem aktuellen Kontext diskutieren.

Zu der Veranstaltungsreihe wird es in diesem Jahr weitere Filmvorführungen geben. Aktuelle Informationen hierzu finden Sie jeweils zeitnah unter www.bmjv.de/geschichtskino.

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