Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypRede | Datum31. Oktober 2016 | Person Heiko MaasGemeinsam gegen Doping

Rede des Bundesministers der Justiz und für Verbraucherschutz, Heiko Maas, zur Eröffnung des Symposiums zum Anti-Doping-Gesetz am 31. Oktober 2016 im BMJV

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
verehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages,
liebe Sportlerinnen und Sportler,
verehrte Gäste,

herzlich Willkommen im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz!
Vor knapp einem Jahr ist das neue Anti-Doping-Gesetz in Kraft getreten. Das war lange überfällig, denn das Problem Doping ist nach wie vor groß. Die Olympischen Spiele im Sommer und der Ausschluss vieler Sportler haben das gezeigt. Der Kampf für einen sauberen Sport geht weiter und wir müssen ihn an vielen Fronten führen. Unser Gesetz war ein Beitrag dazu und heute wollen wir eine allererste Zwischenbilanz ziehen.

Unser Gesetz hatte drei Schwerpunkte:

  • Wir haben erstmals das Selbstdoping unter Strafe gestellt. Seither ist klar: Wer als Leistungssportler dopt, der handelt kriminell.
  • Wir haben – zweitens – die Strafbarkeit der Helfer und Hintermänner ausgeweitet. Das Herstellen, das Handel treiben, das Veräußern und das Abgeben von Dopingmitteln sind inzwischen strafbar.
  • Und dritter Punkt: Wir haben die Sportverbände im Kampf gegen Doping unterstützt, indem wir den Informationsaustausch verbessert und die Sportschiedsgerichtsbarkeit gestärkt haben.

Meine Damen und Herren,
für das Anti-Doping-Gesetz haben wir viel Unterstützung bekommen, und zwar gerade von Sportlerinnen und Sportlern. Sie sind es, die unter dem Betrug ihrer Konkurrenten am meisten zu leiden haben und deshalb das größte Interesse an einem fairen Wettkampf haben. Vier unserer Unterstützer sind heute bei uns und ich begrüße ganz herzlich:

  • die Weltmeisterin im Ringen und Olympia-Teilnehmerin von Rio: Aline Focken;
  • den 18maligen deutschen Meister im Kunstturnen und zweifachen Vize-Olympiasieger: Marcel Nguyen;
  • die deutsche Meisterin über 100 Meter Hürden, Olympia-Teilnehmerin und Rechtsanwältin: Nadine Hildebrand;
  • und den Olympiasieger im Triathlon, jüngsten Iron Man-Sieger und den Mann, der bei der Challenge Roth einen neuen Weltrekord aufgestellt hat: Jan Frodeno.

Schön, dass Sie alle bei uns sind und Danke für Ihre Unterstützung!

Meine Damen und Herren,
was im echten Leben ganz einfach ist, machen Juristen manchmal ganz schön kompliziert. Wer schummelt, muss was auf die Finger bekommen, sagt der Volksmund. Wenn Juristen ins Spiel kommen, ist das nicht ganz so einfach; die grübeln dann über so komplizierte Dinge wie das geschützte Rechtsgut und das ultima-ratio-Prinzip. Wie man gesunden Menschenverstand und rechtliche Dogmatik zusammenbringen kann, dazu wird uns nach der Mittagspause Herr Professor Heger von der Humboldt-Universität etwas sagen. Auch Ihnen ein ganz herzliches Willkommen, wir sind sehr gespannt!

Meine Damen und Herren,
ein Ziel des Gesetzes ist es, auch den Sportverbänden mehr Möglichkeiten zu geben, gegen Doper in den eigenen Reihen wirksam vorzugehen. Wie das Zusammenspiel der Nationalen Anti-Doping-Agentur, den Verbänden und der Sportgerichtsbarkeit in der Praxis funktioniert, dazu haben wir die besten Experten hier, die man sich überhaupt vorstellen kann: die Vorstandsvorsitzende der NADA, Frau Dr. Gotzmann, und den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann. Auch Ihnen ein ganz herzliches Willkommen!

Mit ihnen diskutieren zwei Fachleute, die von ganz anderer Warte aus mit dem Doping befasst sind: Dagmar Freitag hat als Vorsitzende des Sportausschusses maßgeblich zum Zustandekommen des Anti-Doping-Gesetzes beigetragen; ohne sie würde es dieses Gesetz nicht geben. Und Hajo Seppelt ist der Journalist, der wohl am besten in seiner Zunft über das Doping Bescheid. Mit seinen Recherchen hat er entscheidend dazu beigetragen, dass Doping nicht länger eine Geheimsache bleibt, sondern der Betrug endlich ans Licht kommt; ganz aktuell hat er vor den Spielen von Rio das systematische Doping in der russischen Leichtathletik offengelegt und dadurch massenhaften Betrug in Rio verhindert. Er hat für die Recherche auch persönlich manches über sich ergehen lassen müssen, deshalb ist es gut, dass seine Leistungen auch gewürdigt werden: Nachträglich, lieber Herr Seppelt, noch herzlichen Glückwunsch zum Hanns-Joachim-Preis für Fernsehjournalismus! Lieber Herr Seppelt, liebe Dagmar Freitag – ich freue mich auf die Gesprächsrunde mit Ihnen!

Meine Damen und Herren,
in zwei Bundesländern gibt es heute bereits Schwerpunktstaatsanwaltschaften zur Doping-Bekämpfung. Wir wissen, dass hier schon eine ganz Reihe von Ermittlungsverfahren gegen dopende Sportler laufen, und wir haben auch gehört, dass das neue Gesetz den Kampf gegen die Hintermänner erleichtert hat. Dazu wollen wir heute Nachmittag aus erster Hand etwas mehr erfahren. Dr. Sebastian Wußler kommt von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft aus Freiburg – und wir sind gespannt über seine Erfahrungen aus der Praxis. Auch Ihnen ein herzliches Willkommen!

Allerdings kann die Justiz nur solche Taten verfolgen, von denen sie überhaupt weiß. Deshalb sind der Nachweis und die Aufdeckung von Doping so wichtig. Das ist aber keine Sache von Juristen, sondern vor allem von Medizinern. Zu einer wirksamen Dopingbekämpfung kann deshalb auch der Fortschritt in der Sportmedizin beitragen. Professor Dr. Simon ist Sportmediziner an der Universität Mainz und er wird uns auf den neuesten Stand bringen, was Dopingmittel und Dopingmethoden angeht.

Wir sind auch gespannt auf den Erfahrungsbericht von Herrn Dr. Lars Mortsiefer, Vorstandsmitglied der NADA. Er wird sicher auch etwas dazu sagen, ob das Anti-Doping-Gesetz die Arbeit der Agentur in der Praxis unterstützt.

Meine Damen und Herren,
Deutschland steht international an vorderster Front beim Kampf gegen Doping. Dafür stehen die Enthüllungen von kritischen Journalisten wie Hajo Seppelt und dafür steht auch unser neues Anti-Doping-Gesetz. Wie nötig der Einsatz für einen Sport ohne Betrug und ohne Manipulationen ist, das haben die Spiele von Rio wieder einmal gezeigt. Beim Kampf gegen Doping geht es um Fairness und um Vertrauen. Die Fairness lebt auch davon, dass man darauf vertrauen kann, dass die Konkurrenten nicht dopen. Wenn aber jeder glaubt, dass es alle anderen tun, dann wird es irgendwann niemanden mehr geben, der es nicht tut. Und deshalb müssen wir heute diejenigen bestrafen, die es tun, damit wieder alle darauf vertrauen können, dass es keiner tut!