Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypRede | Datum13. November 2015 | Person Heiko Maas2. und 3. Beratung des (Regierungs-) Entwurfs eines Gesetzes zur Bekämpfung von Doping im Sport

Rede des Bundesministers der Justiz und für Verbraucherschutz, Heiko Maas, bei der 2. und 3. Beratung des (Regierungs-) Entwurfs eines Gesetzes zur Bekämpfung von Doping im Sport am 13. November 2015 im Deutschen Bundestag.

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!

Sehr geehrter Herr Präsident!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Heute ist ein sportpolitisch historischer Tag. Mit diesem Gesetz wird der Kampf ge-gen das Doping zu einem Fall für den Staatsanwalt. Das ist eine Kampfansage an die Täuscher, Trickser und Betrüger im Sport. Mit dem heutigen Tag stellen wir klar: Ein Leistungssportler, der dopt, handelt kriminell.

Wir haben es uns mit diesem Gesetz nicht einfach gemacht. Hinter uns liegen Jahr-zehnte der Diskussionen, der Appelle, des Beklagens und der gescheiterten Versu-che. Die ersten Dopingkontrollen bei Olympischen Spielen gab es im Jahr 1968. Das ist jetzt 47 Jahre her. Aber in den Griff bekommen hat man das Problem bis heute nicht. Gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse, die man aus Russland und dem Weltleichtathletikverband mitbekommt, muss man, glaube ich, attestieren: An der einen oder anderen Stelle ist das Problem nicht kleiner, sondern möglicherweise sogar größer geworden. Bei allen Unternehmungen, die der Sport bereits in die Wege geleitet hat, hat sich, wie wir finden, gezeigt: Der Sport und seine Verbände brauchen Unterstützung. Die bekommen sie jetzt, und zwar mit diesem Anti-Doping-Gesetz.

Meine Damen und Herren,
Ben Johnson, Diego Maradona, Lance Armstrong und wie sie alle heißen: Sie alle waren Ikonen des Sports. Aber sie alle haben manipuliert und betrogen, sie haben die Ideale des Sports verraten, sie haben Titel und Medaillen verloren, und sie haben Millionen Fans - nicht nur ihre eigenen - bitter enttäuscht. Heute unterstützen viele Sportlerinnen und Sportler unser Gesetz. Wir haben viele gute Hinweise bekommen: aus dem Sport, von Verbänden und auch von Sportlerinnen und Sportlern. Das alles hat uns geholfen, den Entwurf, den wir vorgelegt haben, noch besser zu machen. Ich will dafür drei Beispiele nennen.

Erstens. Wir stellen im Gesetz ausdrücklich klar, dass sich ein Sportler, der Doping-mittel besitzt, nur dann strafbar macht, wenn er auch wirklich die Absicht hat, sich dadurch einen Vorteil im sportlichen Wettbewerb zu verschaffen. Dieser subjektive Tatbestand muss bei allen Delikten immer gegeben sein. Wir schreiben das hier aber ausdrücklich ins Gesetz und greifen damit die Sorge einiger Sportlerinnen und Sportler auf, die sich davor fürchten, straffällig zu werden, weil ihnen irgendjemand unbemerkt ein Dopingmittel in die Tasche untergeschoben hat.

Zweitens. Wir sorgen dafür, dass ein Leistungssportler seiner Strafbarkeit nicht dadurch entgeht, dass er im Ausland dopt. Strafbar macht sich also auch, wer in Deutschland gedopt an einem Wettbewerb teilnimmt, und zwar völlig egal, in wel-chem Land er vorher Pillen und Dopingmittel eingenommen hat. Damit verhindern wir, dass das deutsche Recht umgangen wird, und wir sorgen für Chancengleichheit gegenüber ausländischen Athleten, die in Deutschland starten. Es macht sich also auch strafbar, wer im Ausland dopt und beim Wettkampf in Deutschland davon profitiert. Das ist richtig, und das heißt: Gleiches Recht für alle.

Die dritte Verbesserung: Wir bauen eine goldene Brücke für Sportlerinnen und Sportler, die sich vom Doping lossagen und zurück in die Legalität wollen. Wenn jemand aus freien Stücken den Besitz an Dopingmitteln aufgibt und sie vernichtet oder abgibt, dann geht er straffrei aus. Wer ernsthaft Reue und Umkehr zeigt, dem kommt diese Passage des neuen Gesetzes entgegen.

Meine Damen und Herren,
viele Sportlerinnen und Sportler unterstützen diesen Gesetzentwurf, aber ich weiß auch, dass es bei einzelnen Athleten immer noch Skepsis gibt. Wir haben das, was geäußert wurde, sehr ernst genommen. Aber: Chancengleichheit erreichen wir nicht durch Nachsicht, meine sehr verehrten Damen und Herren. Das ist der Grund, weshalb wir das Dopen unter Strafe stellen. Chancengleichheit erreichen wir nur, wenn wir den Betrügern vollständig das Handwerk legen. Nur so können wir den Druck von den einzelnen Athleten nehmen, dem sie sich ausgesetzt sehen. Wir müssen deshalb den Teufelskreis aus Doping und Betrug stoppen. Wir haben uns entschieden, dazu auch mit den Mitteln des Strafrechts vorzugehen. Dieses Gesetz wird den Sport - da bin ich mir vollkommen sicher - sauberer, ehrlicher und fairer machen. Es wird die Sportverbände - entgegen dem, was vielleicht der eine oder andere befürchtet - bei ihrem Kampf gegen das Doping unterstützen.

Meine Damen und Herren,
seit dem Jahr 2000 verpflichten sich alle Athleten im olympischen Eid zu einem „Sport ohne Doping und ohne Drogen …, im wahren Geist der Sportlichkeit“. Wir wollen, dass dieser Eid im Sommer 2024 bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Hamburg gesprochen wird. Wie ernst wir unsere Bewerbung nehmen - es ist nicht nur eine der Hamburgerinnen und Hamburger, sondern mittlerweile eine unseres ganzen Landes -, zeigen wir auch mit diesem Gesetz und der Ernsthaftigkeit, mit der wir gegen Doping vorgehen. Mit dem neuen Gesetz werden wir im internationalen Vergleich deutlich vorne liegen.

Ich hätte vielleicht eine Anregung an die Verbände, die große Sportveranstaltungen vergeben: das IOC, die FIFA, die UEFA und wer auch immer. Wenn sie sich darauf verständigen könnten - sie alle sind ja Unterstützer im Antidopingkampf -, ihre Gro-ßereignisse zukünftig nur noch in Länder zu vergeben, die ein Anti-Doping-Gesetz haben, so wie wir es haben werden, dann würden sie der Glaubwürdigkeit ihrer Verbände einen Dienst erweisen.
Meine Damen und Herren,
ich freue mich, dass diese wirklich sehr, sehr lange Diskussion heute zu einem Ab-schluss geführt wird und wir mit diesem Anti-Doping-Gesetz nicht nur eine Kampfansage an die Doper formulieren, sondern vor allen Dingen die große Masse der ehrlichen Sportler besser schützen, als das in der Vergangenheit möglich gewesen ist.

Schönen Dank.