Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypRede | Datum18. Mai 2015 | Person Heiko MaasDas neue Anti-Doping-Gesetz

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT

Liebe Eva Högl,
liebe Michaele Engelmeier,
liebe Dagmar Freitag,
lieber Herrman Krist,
sehr geehrter Herr Präsident Hörmann,
sehr geehrter Herr Professor Rössner,
liebe Sportlerinnen und Sportler,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Wenn die Bundesregierung am Freitag ihr Anti-Doping-Gesetz in den Deutschen Bundestag einbringt, dann schlagen wir damit ein neues Kapitel auf im Kampf gegen Doping. Das ist auch nötig, denn die Geschichte der Doping-Bekämpfung ist zwar lang, aber trotz aller Anstrengungen ist sie keine Erfolgsgeschichte.

1964 gab es die ersten Dopingtests bei Olympischen Spielen, schon 1970 hat sich der damalige Deutsche Sportbund Richtlinien zur Doping-Bekämpfung gegeben und seit 2002 haben wir die NADA. Das alles waren gute und wichtige Schritte für einen sauberen Sport, aber trotzdem ist das Doping bis heute nicht besiegt. Ganz im Gegenteil: ob Radsport, Leichtathletik oder nach den jüngsten Enthüllungen sogar der Fußball – immer wieder wird manipuliert und betrogen.

Doping geht vor allem zu Lasten der ehrlichen Sportlerinnen und Sportler. Aber getäuscht und geschädigt werden alle: die Veranstalter, die Sponsoren und Millionen Zuschauer. Ich meine, der Staat darf das nicht länger hinnehmen, denn dazu ist der Sport für unsere Gesellschaft zu wichtig.
Deutschlands Sportvereine haben 28 Millionen Mitglieder. Für Kinder und Jugendliche ist Sport nach wie vor Freizeitbeschäftigung Nummer 1. Der Sport steht für Werte wie Fairplay, Chancengleichheit und Teamgeist. Aber all das ist gefährdet durch Doping.

Doping raubt dem Sport seine moralischen Werte, seine Glaubwürdigkeit und seine Vorbildfunktion. Doping – das ist der Erfolg um jeden Preis, ohne gleiche Chancen, ohne Fairness und ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Gerade weil der Sport so wichtig ist, können wir die Verbände mit dem Problem Doping nicht länger allein lassen.

  • Wenn unsere Gesellschaft zulässt, dass Regeln immer wieder gebrochen werden,
  • wenn wir unfähig sind, diesen Regelbruch zu stoppen und
  • wenn die Menschen den Eindruck gewinnen, dass Betrug und Manipulation zum Erfolg führen, dann gefährden wir nicht nur den Sport, sondern auch das Rechtsbewusstsein in der Bevölkerung insgesamt.

Ich meine daher, der Staat muss seine Mittel noch stärker nutzen, um die Integrität des Sports besser zu schützen. Das wollen wir mit diesem Gesetz tun und der Entwurf sieht vor allem dreierlei vor:

Erstens: Selbstdoping wird strafbar. Wer als Leistungssportler dopt, der handelt in Zukunft kriminell. Es drohen künftig nicht nur die Sperren und Sanktionen der Sportverbände, sondern auch bis zu drei Jahre Gefängnis. Jeder Leistungssportler muss also sehr genau überlegen, ob er sein Leben außerhalb des Sports mit einer Vorstrafe belasten möchte. Das gilt insbesondere für die 7000 Spitzensportler, die in Deutschland bereits heute den Trainingskontrollen ihrer Verbände unterliegen.

Zweitens: Wir weiten mit dem Gesetz die Strafbarkeit der Helfer und Hintermänner aus. Kein Sportler braut die verbotenen Substanzen in der eigenen Küche. Es sind die Untergrund-Labore und Doping-Dealer, die wir fassen müssen. Deshalb werden wir das gesamte Treiben dieser Branche unter Strafe stellen: das Herstellen, das Handel treiben, das Veräußern und das Abgeben von Dopingmitteln werden künftig strafbar. In schweren Fällen, zum Beispiel wenn es um das Doping von Jugendlichen geht, drohen den Dealern bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. Diese Doping-Dealer beliefern nicht nur die Profis, sondern sie vergiften auch den Freizeitsport – ich denke etwa an die Bodybuilder-Szene. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir diesen illegalen Markt trockenlegen.

Drittens: Wir stärken mit dem Gesetz die Sportverbände im Kampf gegen Doping. Deshalb sollen Gerichte und Staatsanwaltschaften ihre Informationen über Doping-Täter künftig an die Nationale-Anti-Doping-Agentur übermitteln können. Außerdem stärken wir die Schiedsgerichtsbarkeit der Sportverbände. Da gab es in der Vergangenheit rechtliche Unsicherheit, deshalb stellen wir klar, dass es grundsätzlich in Ordnung ist, wenn Sportler vor einem Wettkampf eine Vereinbarung darüber treffen, dass die Sportschiedsgerichte zuständig sind. Wenn es dann tatsächlich zu einem Dopingfall kommt, ist klar, dass auch das sportinterne Sanktionen-System handeln kann. Damit machen wir deutlich: Sport und Staat sollen künftig vereint gegen das Doping vorgehen – jeder mit seinen Mitteln.

Meine Damen und Herren,

wir haben es uns mit diesem Gesetz wahrlich nicht einfach gemacht. Das Strafrecht ist kein Allheil-Mittel, um gesellschaftliche Probleme zu lösen, und es kann auch immer nur das letzte Mittel sein. Wenn man sich anschaut, wie lange wir über das Problem Doping schon diskutieren, dann kann niemand behaupten, hier werde vorschnell zum Strafrecht gegriffen. Der Staat hat sich wirklich viel Zeit gelassen.

Ich meine aber, hier ist der Griff zum Strafrecht richtig, weil hier das Strafrecht wirken kann. Die Täter beim Doping handeln weder spontan noch aus ideologischen Motiven. Sie handeln sehr überlegt und zum eigenen Vorteil. Gerade bei solchen Tätern kann das Strafrecht abschrecken und damit den Rechtsbruch präventiv verhindern. Viele Sportlerinnen und Sportler unterstützen unseren Gesetzentwurf, zum Beispiel der Deutsche Leichtathletikverband. Sie unterstützen uns, weil die Aktiven die ersten sind, die unter dem Doping leiden. Ich weiß aber, dass es in den Verbänden auch Skepsis gibt. Mir ist zweierlei wichtig: Dieses Gesetz ist kein Misstrauen gegenüber den Verbänden und das Strafrecht ist auch keine Alternative zu den sportinternen Kontrollen und Sanktionen. Wir brauchen beides und nur durch das Engagement von Staat und Sport zusammen werden wir Doping erfolgreich bekämpfen.

Meine Damen und Herren,

im Olympischen Eid verpflichten sich die Athleten seit dem Jahr 2000 zu einem Sport „ohne Doping und ohne Drogen, im wahren Geist der Sportlichkeit“. Wir wollen, dass dieser Eid im Sommer 2024 bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Hamburg gesprochen wird. Wie ernst Deutschland seine Bewerbung meint, das zeigen wir auch damit, dass wir beim Kampf gegen Doping vorangehen. Mit dem neuen Anti-Doping-Gesetz werden wir im internationalen Vergleich weit vorne liegen. Das ist nicht nur Rückenwind für einen sauberen Sport, sondern auch für die Hamburger Bewerbung und auch deshalb ist dieses Gesetz so wichtig.

Vielen Dank!

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