Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypPressemitteilung | Datum10. Januar 2017Heiko Maas zum Tod von Roman Herzog

Zum Tod des Bundespräsidenten a. D. Roman Herzog kondoliert der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas der Witwe mit folgendem Schreiben, hier in Auszügen:

Unser Land verliert mit Roman Herzog nicht nur sein ehemaliges Staatsoberhaupt und einen seiner klügsten Köpfe. Roman Herzog verstand es, höchste Staatsämter mit Geist, Humor, Schlagfertigkeit und einer Portion bajuwarischer Lebensfreude auszuüben – eben unverkrampft. Mit dieser Art hat er sich viel Sympathie erworben. Zugleich hat er mit seiner Amtsführung das Ansehen unserer Demokratie und seiner Institutionen beträchtlich gemehrt – selbst bei jenen, die seine politischen Ansichten nicht immer geteilt haben.

Als Staatsrechtslehrer und Grundgesetzkommentator wusste Roman Herzog um das Funktionieren unseres Staates ganz genau. Aber er beschränkte sich nicht auf die wissenschaftliche Perspektive von außen, sondern was ihn besonders auszeichnet ist, dass er sich nicht scheute, auch selbst politische Verantwortung zu übernehmen – als Staatssekretär, Minister und Landtagsabgeordneter.

Als Präsident des Bundesverfassungsgerichts hat Roman Herzog entscheidend dazu beigetragen, Karlsruhe zu einem Garanten der Bürgerrechte zu machen. Gerade weil er Politik und Regierungshandeln aus der praktischen Arbeit kannte, wusste er, dass die freiheitliche Demokratie eine starke Verfassungsgerichtsbarkeit braucht, die Parlament und Regierung mitunter in ihre Grenzen weist – ohne dass das Gericht dabei seine eigenen je überschritt.

Aus seinem Wirken als Bundespräsident ragt für mich seine Entscheidung heraus, den 27. Januar – den Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz – zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zu erklären. Damit hat Roman Herzog ein klares Zeichen gesetzt: Gegen das Vergessen und für das Erinnern. In einer Zeit, in der Hass und Nationalismus neue Blüten treiben, erkennen wir die große Bedeutung seiner Entscheidung.

Roman Herzog war als Bundespräsident der erste Mann unseres Staates, aber er hat den Staat nie überhöht. Ich denke heute nicht nur an den großen Politiker, Richter und Präsidenten, sondern vor allem an einem sympathischen Menschen, der mit seiner klugen und freundlichen Lebensart Mut zur Mitmenschlichkeit gemacht hat.