Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypInterview | Datum7. Oktober 2015 | Person Christian Lange"Das ist Gift für die Integrität des Sports"

Justiz-Staatssekretär Lange über die Pläne für ein Gesetz gegen Wettbetrug und Spielmanipulation.

Interviewpartner/in: Christian Lange
Autor/in: Roland Muschel
Medium: Südwest Presse

Die Bundesregierung will härter gegen Korruption im Sport vorgehen. Schon das Geben und Nehmen von Bestechungsgeldern soll unter Strafe gestellt werden, sagt Justiz-Staatssekretär Christian Lange (SPD).

Südwest Presse: Nach dem Gesetz gegen Dopingbetrug plant das Justizministerium ein Gesetz gegen Spielmanipulation. Welche Vergehen sollen konkret bestraft werden?

Christian Lange: Ein neuer Straftatbestand soll korruptive Manipulationsabreden bei sportlichen Wettbewerben erfassen. Strafbar wären danach das Geben und Nehmen eines Vorteils als Gegenleistung für die Manipulation eines sportlichen Wettbewerbs.

Südwest Presse: Sie wollen also Wettbetrügern das Handwerk legen.

Christian Lange: Ja, aber nicht allein. In vielen Fällen dürften korruptive Einflussnahmen im Sport der Begehung von Wettbetrügereien dienen. Korruption im Sport kann aber auch andere Motive haben, etwa wenn eine Mannschaft den Aufstieg in eine höhere Liga durch ein "gekauftes Spiel" erreichen will oder Bestechungsgelder im Abstiegskampf bezahlt werden. In beiden Fällen sieht der Zuschauer ein manipuliertes Spiel. Das ist Gift für die Integrität des Sports. Oft werden dabei auch andere finanziell geschädigt. Wir sind daher dabei, Straftatbestände zu erarbeiten, die beide Fälle - also die Manipulation mit Sportwettenbezug und die Manipulation ohne diesen Bezug - erfassen würden, und prüfen derzeit, wie entsprechende Regelungen aussehen könnten.

Südwest Presse: An welches Strafmaß denken Sie?

Christian Lange: Das geltende Strafrecht kennt bereits Straftatbestände, die korruptive Verhaltensweisen unter Strafe stellen. An diesen werden wir uns orientieren. Der Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr sieht etwa Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Südwest Presse: Was droht Wettbetrügern bislang?

Christian Lange: Die Manipulation von Sportwettbewerben im Zusammenhang mit Sportwetten kann schon heute als Betrug strafbar sein und mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafen geahndet werden. Aus der Praxis wird allerdings berichtet, dass eine Straftat wegen Wettbetrugs sehr schwer nachweisbar ist. Der neue Straftatbestand soll hier Abhilfe schaffen und bereits korruptive Einflussnahmen im Vorfeld von manipulierten Sportwetten erfassen.

Südwest Presse: Gewinnt bei Sportwetten ein Außenseiter, muss der Wettanbieter zwar hohe Quoten ausschütten, verdient aber möglicherweise an der großen Zahl der verlorenen Wetten auf den Favoriten. Ist es da nicht schwierig, einen Schaden zu beziffern?

Christian Lange: Das ist richtig. Es hat sich gezeigt, dass die Ermittlung des Betrugsschadens den Strafverfolgungsbehörden in der Praxis Probleme bereitet. Die Rechtsprechung hat hier hohe Anforderungen aufgestellt, die den Tatnachweis schwierig machen. Ein Korruptionstatbestand im Sport würde, anders als der Betrugstatbestand, aber nicht den Eintritt eines Schadens voraussetzen. Er würde vielmehr im Vorfeld ansetzen und bereits das Geben und Nehmen von Bestechungsgeldern unter Strafe stellen.

Südwest Presse: Soll das Gesetz nur für Profis oder auch für Amateure gelten?

Christian Lange: Strafrecht kann immer nur als letztes Mittel zum Einsatz kommen und deshalb muss die Frage, ob die neuen Regelungen auch für den Amateurbereich gelten sollen, besonders intensiv geprüft werden. Wir möchten nicht gleich jede Unregelmäßigkeit und fragwürdige Absprache im Amateurbereich unter Strafe stellen. Das wäre viel zu weitgehend. Wenn es allerdings um Sportwetten geht, wird zu berücksichtigen sein, dass auf alle Sportwettbewerbe gewettet wird und Wettbetrüger auch vor dem Amateurbereich nicht Halt machen.