Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypInterview | Datum25. März 2015 | Person Heiko Maas"Doping gefährdet nicht nur die Integrität des Sports, sondern auch die Gesundheit"

Bundesminister Heiko Maas über das geplante Anti-Doping-Gesetz und die Hamburger Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024

Interviewpartner/in: Heiko Maas
Medium: Hamburger Abendblatt

Hamburger Abendblatt: Warum stützt das geplante Anti-Doping-Gesetz die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen Spiele 2024?

Heiko Maas: Es gibt viele gute Gründe für Olympia in Hamburg. Unser Anti-Doping-Gesetz ist ein weiterer. Athleten, Zuschauer, Sponsoren und Verbände: Niemand will ein Doping Wettrennen, alle wollen saubere Spiele. Deswegen sollte die Konsequenz des Gastgeberlandes im Kampf gegen Doping bei der Vergabe von Olympischen Spielen eine Rolle spielen. Bewerber aus einem Land, in dem es ein Anti-Doping-Gesetz gibt, sollten einen Vorteil haben gegenüber Bewerbern, bei denen es keine solchen Gesetze gibt. Wir gehören mit dem neuen Gesetz international jetzt sicher zu den Vorreitern. Wer dopt, dem droht in Zukunft nicht mehr nur eine Wettkampfsperre, sondern auch das Gefängnis. Jeder Besitz von Dopingsubstanzen steht in Zukunft unter Strafe. Und: Die Strafbarkeit von Hintermännern wird verschärft.

Hamburger Abendblatt: Warum werden nach dem geplanten Gesetz nur Profisportler strafrechtlich belangt - und nicht Amateursportler?

Heiko Maas: Doping gefährdet nicht nur die Integrität des Sports, sondern auch die Gesundheit. Deswegen gilt - egal ob im Profi- oder Amateurbereich: Wir müssen entschlossen gegen Doping kämpfen. Die Frage ist allerdings, welches das richtige Mittel ist. Die meisten Experten halten nichts davon, Millionen von Amateuren mit dem Strafrecht zu drohen und so den kompletten Breitensport zu kriminalisieren. Hier ist es viel sinnvoller, gemeinsam mit den Verbänden durch Aufklärung und Prävention gegenzusteuern.

Hamburger Abendblatt: Das neue Gesetz soll die bestehende Schiedsgerichtsbarkeit stärken. Warum?

Heiko Maas: Das Anti-Doping-Gesetz legitimiert die Sportgerichtsbarkeit ausdrücklich. Das Dopingkontrollsystem des Sports wird dadurch gestärkt, dass wir eindeutig klarstellen: Schiedsvereinbarungen in den Athletenverträgen sind zulässig.

Hamburger Abendblatt: Warum ist Sport ein Feld der Gesellschaft, das durch die Aufsicht des Staates geschützt werden muss?

Heiko Maas: Sport hat für unsere Gesellschaft eine enorme Bedeutung. Sport verbindet und begeistert. Viele Spitzensportler sind vor allem für junge Menschen prägende Vorbilder. Sport kann Brücken bauen und Werte wie Fairness oder Chancengleichheit vermitteln. Diese Werte müssen wir verteidigen. Bisher konnten nur die Hintermänner oder Leute, die mit größeren Mengen Dopingmitteln erwischt wurden, strafrechtlich verfolgt werden. Das allein hat offensichtlich noch nicht ausgereicht. In Zukunft machen sich auch die Doper selbst strafbar. Das ist konsequent, denn schließlich sind sie es, die sich einen Wettbewerbsvorteil erschleichen. Sie kassieren die Preisgelder und die Werbeeinnahmen. Damit schützen wir alle ehrlichen und sauberen Sportler, von denen sehr viele seit Jahren für ein Anti-Doping-Gesetz kämpfen.

Hamburger Abendblatt: Kritiker heben hervor, dass durch rechtsstaatliche Wege wie  Bewährungsstrafen oder Klagen vor höheren Instanzen gerade "Erstdoper" mit geringen Strafen oder Straffreiheit davonkommen können. Wie beurteilen Sie diese Kritik?

Heiko Maas: Bei der Strafzumessung gelten bei Dopern die gleichen Regeln wir für alle andere Angeklagte auch. Geldstrafen und Freiheitstrafen bis zu drei Jahren werden eine abschreckende Wirkung haben. Sportlerinnen und Sportler haben alle ein Leben nach dem Sport. Dann müssen und wollen die meisten von ihnen einem ganz normalen Beruf nachgehen. Dies ist deutlich einfacher, wenn man nicht vorbestraft ist.