Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

DokumenttypInterview | Datum17. September 2014 | Person Heiko MaasDiskussion um hohe Dispozinsen

Bundesjustiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas über die Transparenz von Dispozinsen

Interviewpartner/in: Heiko Maas

Frage: Bankkunden zahlen in Deutschland bis zu 14,25 Prozent Dispozinsen. Ist das angesichts der historisch niedrigen Zinsen gerechtfertigt?

Heiko Maas: Nein, das ist es nicht. Banken erbringen natürlich durch das Einräumen eines Dispos eine Dienstleistung, für die sie auch bezahlt werden müssen. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus sind aber Zinsen in dieser Höhe völlig unangemessen. Das ist ein Problem, denn ein Zinssatz von 14 Prozent ist häufig der erste Schritt in eine dauerhafte Verschuldung. Einige Banken haben das erkannt und senken die Zinsen, andere sind da leider noch nicht so weit.

Frage: Wie kommen die großen Preisunterschiede bei den Dispozinsen zustande?

Heiko Maas: Ich kann die Geschäftspolitik der Banken und Sparkassen nicht beurteilen. Es gibt aber Kreditinstitute, die es ausnutzen, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher gar nicht wissen, wie hoch die Zinsen sind. Deshalb wollen wir hier auch ansetzen und die Transparenz bei Dispo-Zinsen erhöhen.

Frage: Müssen die Banken für das höhere Risiko und den höheren Aufwand bei Dispokrediten nicht entschädigt werden?

Heiko Maas: Niemand will, dass Banken einen Dispo-Kredit so billig anbieten müssen wie andere Kredite. Aber in der Niedrigzinsphase, in der wir uns befinden, sinken auch die Kosten für die Banken und das muss dann auch bei den Dispo-Zinsen berücksichtigt werden.

Frage: Werden Sie mit einem Gesetz gegen Dispo-Abzocke vorgehen?

Heiko Maas: Wir werden die Kreditwirtschaft dazu verpflichten, bei längerer Dispo-Nutzung ein Beratungsgespräch über die Möglichkeit eines Umstiegs auf einen billigeren Ratenkredit anzubieten. Und wir werden sie verpflichten, ihre Dispo-Zinsen transparenter zu veröffentlichen.

Frage: Verbraucherschützer fordern eine gesetzliche Obergrenze für Dispozinsen. Wäre das nicht sinnvoll?

Heiko Maas: Wir setzen bei dem an, was rechtlich unbedenklich ist und Kunden praktisch hilft. Eine Beratung über Alternativen zum Dispo und eine bessere Vergleichbarkeit der Zinsen setzt am Problem an. Ich bin zuversichtlich, dass diese Transparenz es den Banken immer schwerer machen wird, unverhältnismäßig hohe Dispo-Zinsen zu verlangen.