Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Thema Gesellschaft Maas überreicht Gerhard Wiese Bundesverdienstkreuz am Bande

Für seine außerordentlichen Verdienste um die Gerechtigkeit und die deutsche Justiz hat Bundesminister Heiko Maas am 14. November 2017 Oberstaatsanwalt a.D. Gerhard Wiese das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht.

Bundesminister Heiko Mass überreicht Herrn Oberstaatsanwalt a.D. Gerhard Wiese das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland und verleist die Urkunde. Gerhard Wiese hat als Ankläger im "Auschwitz-Prozess" mitgeholfen, das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte vor Gericht zu bringen. „Keiner konnte mehr kommen und sagen: Es hat keine Gaskammer gegeben“, so Wiese. Foto: Torsten Silz/photothek

Gerhard Wiese (geboren 1928) hat als junger Staatsanwalt unter der Leitung von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer die Anklage im „Auschwitz-Prozess“ vertreten, der von 1963 bis 1965 vor dem Landgericht Frankfurt am Main stattfand. Wiese hat die Anklageschriften mitformuliert und die Plädoyers gegen einige der brutalsten Täter gehalten. Er hat mitgeholfen, das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte vor Gericht zu bringen, Täter zur Verantwortung zu ziehen und den Opfern ein wenig Genugtuung zu verschaffen.

„Auschwitz ist das Synonym für das größtmögliche Unrecht, das Menschen anderen Menschen angetan haben. Aber die Prozesse in Frankfurt zeigten auch, was Justiz zu leisten vermag, wenn sie den Willen hat, der Gerechtigkeit zu dienen. Es ist daher wichtig, jene zu ehren, die sich früher als andere und oft gegen große Widerstände für die richtige Sache engagiert haben. Einer, der das getan hat, war Gerhard Wiese.“
Bundesminister Heiko Maas

Die Ankläger im „Auschwitz-Prozess“ mussten sich großen Widerständen entgegenstellen – aus den Reihen der Justiz selbst aber auch aus den Öffentlichkeit. Denn der Prozess führte allen erstmals den organisierten Völkermord an den Juden Europas vor Augen – oder wie Gerhard Wiese selbst sagte: „Keiner konnte mehr kommen und sagen: Es hat keine Gaskammer gegeben.“

Wiese hat sich darüber hinaus in weiteren Prozessen als Staatsanwalt für die Ahndung der NS-Verbrechen eingesetzt. Und auch heute engagiert er sich trotz seines hohen Alters als Zeitzeuge, insbesondere für Schulklassen und Studierende. „Ich bin Ihnen für Ihr heutiges Engagement genauso dankbar wie für Ihre Leistungen in der Justiz“, so Maas. „Es ist wichtig, das Wissen um das Unrecht an die junge Generation weiterzugeben. Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht. Aber nichts ist unumstößlich, und manches, was uns heute so selbstverständlich scheint, kann schon morgen in Gefahr geraten.“

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