Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Headline Buchvorstellung "Furchtlose Juristen" Ein Buch, das Mut macht

Es gab sie – die wenigen, furchtlosen Juristen, die während der NS-Zeit Widerstand leisteten und sich dem Unrecht verweigerten. An 17 von ihnen erinnert das Buch „Furchtlose Juristen – Richter und Staatsanwälte gegen das NS-Unrecht“, zu dessen Vorstellung Herausgeber Heiko Maas am 4. Juli eingeladen hatte.

Heiko Maas während seiner Rede im Kammergericht - Blick von hinten über die Köpfe der Zuhörer nach vorn zum Rednerpult Heiko Maas erinnert mit Buch an "Furchtlose Juristen" Der historische Plenarsaal des Berliner Kammergerichts ist auch ein Symbol des Widerstandes: Es ist der Ort, an dem die Schauprozesse gegen die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944 inszeniert wurden. Foto: Thomas Köhler/photothek

Im historischen Plenarsaal des Kammergerichts in Berlin – dem Ort, an dem nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 der „Volksgerichtshof“ unter dem Vorsitz von Roland Freisler seine Schauprozesse gegen die Attentäter inszenierte – rückten an diesem Abend 17 Richter und Staatsanwälte in den Mittelpunkt. Viele von ihnen sind heute vergessen. Auch deshalb soll das Buch „Furchtlose Juristen“ an sie, die wenigen Mutigen, erinnern.

„Das Buch zeigt Juristen, die sich aufgelehnt und Widerstand geleistet haben. Und es zeigt damit auch: Es gab Handlungsalternativen, Widerstand war möglich“, betonte Dr. Bernd Pickel, Präsident des Kammergerichts, in seiner Begrüßungsrede. Die Präsidentin des Bundesgerichtshofes, Bettina Limperg, und der neue Direktor des Deutschen Historischen Museums, Prof. Dr. Raphael Gross, stellten das Buch am Abend vor.

Positive Seite der Erinnerung

Das Buch könne und müsse zum Nachdenken anregen, so Limperg. Es zeige, dass es auch eine positive Seite, eine Seite neben dem Versagen der Justiz während der NS-Zeit gab. Die Biografien und Einzelschicksale der im Buch vorgestellten Juristen mache dies greifbarer. Zugleich zeige sich: Es gibt ihn nicht, den einen Widerstand. So unterschiedlich die Persönlichkeiten der Widerständler waren, so unterschiedlich waren auch die Formen ihres Widerstandes.

„Jeder weiß, Geschichte wiederholt sich nicht. Aber Geschichte hilft uns zu erkennen, wer wir sind und warum wir so geworden sind. Die Begegnung mit den Biografien der furchtlosen Juristen zeigt uns, welche Verantwortung jeder Einzelne von uns trägt, und sie macht Mut, dieser Verantwortung gerecht zu werden“, ergänzte Bundesjustizminister Maas.

Auch er erklärte, es gebe eine positive Seite der Erinnerung – die Erinnerung an die Wenigen, die dem Unrecht widerstanden haben. Auch sie sollten wir nicht vergessen. „Viele Juristen haben nach 1945 behauptet, sie hätten sich gar nicht anders verhalten können. Indem wir an die wenigen widerständigen Juristen erinnern, zeigen wir: Man musste damals nicht ‚mitmachen‘; es gab Handlungsalternativen, aber viel zu wenige hatten den Mut, sie zu nutzen.“

Über das Buch

Das Buch erinnert an 17 Richter und Staatsanwälte, die in der NS-Zeit in unterschiedlicher Form Widerstand geleistet haben. Darunter sind prominente Widerstandskämpfer wie Hans von Dohnanyi (1902-1945), der als Richter des Reichsgerichts und Mitarbeiter des Reichsjustizministeriums um die Verbrechen der Nazis wusste, sich zum Attentat auf Hitler entschloss und hingerichtet wurde. Erinnert wird auch an Lothar Kreyßig (1898-1986), der als Vormundschaftsrichter in Brandenburg an der Havel gegen die „Euthanasie“-Morde an Behinderten protestierte und in den Ruhestand versetzt wurde. Es werden aber auch bislang unbekannte Amtsrichter vorgestellt, die etwa den Mut hatten, unter Hinweis auf die Rechtsgleichheit aller Menschen zugunsten von Juden zu urteilten und dafür Angriffe von NSDAP und Vorgesetzten in Kauf nahmen. So etwa Karl Steinmetz (1893-1955), ein Amtsrichter aus dem hessischen Neukirchen, der 1934 einen örtlichen SA-Führer dazu verurteilte, einem jüdischen Metzger Schadensersatz zu zahlen und die Schächtmesser herauszugeben, die er diesem abgepresst hatte. Steinmetz ließ sich auch durch Gewalt und die Androhung von Schutzhaft nicht einschüchtern: „Schießt mich tot, aber in meinen Urteilen lasse ich mich nicht beeinflussen.“. Er wurde zwangsweise ins Ruhrgebiet versetzt und nur noch als Grundbuchrichter eingesetzt.