Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Verbraucherschutz auf dem Prüfstand – was brauchen Geflüchtete?

Das vom BMJV geförderte Projekt „Die neuen Verbraucher” arbeitet mit mehreren hundert Geflüchteten zusammen, um Leerstellen beim zielgruppenspezifischen Verbraucherschutz zu ermitteln. Am 11. März gab es dazu eine Veranstaltung in Hamburg, um gemeinsam mit der Zielgruppe Verbesserungsvorschläge für digital verfügbare Verbraucherinformationen zu erarbeiten.

Im Oktober 2016 ist das Projekt „Die neuen Verbraucher” angelaufen, welches die Bedürfnisse von Geflüchteten mit guter Bleibeperspektive in Deutschland als Verbraucherinnen und Verbraucher in den Blick nimmt. Das interaktive Projekt, das sich insbesondere an digital affine Geflüchtete richtet, wird vom gemeinnützigen iRights e.V. durchgeführt.

Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und fehlender Sozialisierung auf dem hiesigen Markt sind Geflüchtete in Deutschland als Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber Nicht-Zugewanderten häufig einem Ungleichgewicht ausgesetzt. „Deshalb”, so Projektmitarbeiterin Anne Lammers, „müssen Geflüchtete im Verbraucherschutz als besondere Zielgruppe behandelt und angesprochen werden.” Bisherige Erfahrungen haben zudem gezeigt, dass viele Geflüchtete der Nutzung von digitalen Technologien und Informationsangeboten gegenüber analogen Beratungs- und Informationsmöglichkeiten den Vorzug geben. Deshalb stehen digital verfügbare Verbraucherinformationen, die sich etwa über Smartphones unkompliziert abrufen lassen, im Mittelpunkt des Projektes.

Zielgruppe aktiv einbinden

Der am 11. März in Hamburg durchgeführte Workshop setzte am partizipativen Modell des Projektes an. „Mit unserem Konzept versuchen wir, die Zielgruppe nicht nur aktiv einzubinden, sondern gleichzeitig hohe Standards für innovativen Verbraucherschutz zu setzen”, resümierte Projektmitarbeiterin Anne Lammers den Anspruch an die Veranstaltung.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 20 bis 55 Jahren beteiligten sich dementsprechend aktiv daran, mögliche Verbesserungsvorschläge zu konzipieren. Am Thema „Einkaufen” wurde beispielhaft über spezifische Informationsbedürfnisse der Geflüchteten gesprochen und dazu bestehende digitale Verbraucherinformationen einer Prüfung unterzogen. Die Rückmeldungen seitens der Teilnehmenden haben eindrücklich gezeigt, dass beim Erwerb von langlebigen Gebrauchsgütern genauso wie beim Einkauf im Supermarkt große Unsicherheiten bestehen.

Sichtbarkeit der Angebote erhöhen

Zusätzlich zu diesen neu hinzugekommenen Einblicken bestätigte sich die bereits zuvor gewonnene Erkenntnis, dass es zwar spezifische, auf die Bedürfnisse von Geflüchteten ausgerichtete digitale Verbraucherinformationen gibt, diese von der Zielgruppe jedoch in vielen Fällen nicht wahrgenommen werden. Die Teilnehmenden berichteten, dass sie sich stattdessen bei verbraucherrelevanten Fragen auf Ratschläge aus der eigenen Community verlassen, indem sie etwa in einschlägigen Facebook-Gruppen um Hilfe bitten.

Aufbauend auf diesen und vielen weiteren Erkenntnissen werden in den nächsten Projektschritten konstruktive Vorschläge erarbeitet, wie Geflüchtete zukünftig mit den existierenden zielgruppenorientierten Verbraucherinformationen besser erreicht werden können. Im Rahmen der Laufzeit des Projektes bis Mai 2018 werden zudem umfangreiche weitere Analysen vorgenommen und gemeinsam mit der Zielgruppe Verbesserungsvorschläge erarbeitet. Die Ergebnisse des Projektes werden veröffentlicht.

neueverbraucher@irights.info

iRights e.V.
Projekt „Die neuen Verbraucher“
Almstadtstr. 9/11
10119 Berlin

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