Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Headline 360grad - Das Debatten- und Meinungsforum im BMJV 360grad: Zwischen Fakten, Fakes und Manipulation

Fake-News – der Begriff ist aktuell in aller Munde. Was genau steckt dahinter? Wie gefährlich sind diese Falschmeldungen für unsere Demokratie? Und was können wir dagegen tun?

Beim Debatten- und Meinungsforum 360grad diskutierte Bundesminister Heiko Maas gemeinsam mit (v.l.n.r) Carline Mohr, Andre Wolf,  Prof. Christian Stöcker und Anja Heyde (Moderation). Beim Debatten- und Meinungsforum 360grad diskutierte Bundesminister Heiko Maas gemeinsam mit (v.l.n.r) Carline Mohr, Andre Wolf, Prof. Christian Stöcker und Anja Heyde (Moderation). Foto: photothek.net

Lüge, Halbwahrheit, Desinformation oder Manipulation – hinter dem derzeit immer wieder auftauchenden Begriff „Fake-News“ verbergen sich unterschiedliche Definitionen. Darüber, dass gegen die frei erfundenen Meldungen im Netz etwas unternommen werden muss, waren sich Bundesjustizminister Heiko Maas und seine Gäste am 20. März im BMJV einig. Beim Debattenforum 360grad diskutierte Maas gemeinsam mit Andre Wolf, Prof. Christian Stöcker, Carline Mohr und Anja Heyde (Moderation) über die gezielt verbreitete Desinformation.

Aufklärung gegen Fake-News

Angst sei die Basis aller Falschmeldungen, sagte Andre Wolf, Blogger vom „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch“. Es seien die emotionalen Themen, die Leser anziehen. Damit Falschmeldungen im Netz nicht verbreitet werden können, müsse schon im Unterricht mit der Aufklärung begonnen werden, ergänzte Heiko Maas. „Den Kindern beizubringen, wie man ins Internet reinkommt, sei gut. Aber auch, wie sie unbeschadet wieder rauskommen ist ein Thema, mit dem man sich auseinandersetzen soll.“

Aber auch Erwachsene müssten lernen, Fake-News von echten Meldungen zu unterscheiden. Immerhin nutzen 58 Prozent der Erwachsenen in Deutschland das Internet. Für Wolf könnten beispielsweise Workshops helfen, in denen Erwachsene lernen, die Autocomplete-Funktion von Google richtig zu nutzen oder anhand des Impressums der veröffentlichenden Website zu erkennen, wie vertrauenswürdig eine Meldung ist.

Siegel gegen Fake-News?

Auch für Carline Mohr ist Aufklärung das beste Mittel, um Falschmeldungen im Netz einen Riegel vorzuschieben. Bevor man Fake-News-Abwehrzentren schaffe, müssten Medienkompetenzzentren aufgebaut werden, sagte die Journalistin und Chefin vom Dienst des Bereichs „Audience Development“ bei Spiegel-Online. Die Menschen müssten lernen, die Echtheit von Informationen kritisch zu hinterfragen. Zwar sei ein Siegel hilfreich, das Meldungen als Fake-News kennzeichne, so Maas, jedoch dürfe man Inhalte im Internet nicht einfach kopflos übernehmen. Es sei daher gut und wichtig, dass Vereine und Organisationen versuchten, Falschmeldungen als solche kenntlich zu machen. Denn die neue Art der Kommunikation führe dazu, dass jeder besser überprüfen müsse, was im Netz kursiert. Wer sich die Mühe mache, eine Meldung in sozialen Medien an möglichst viele Freunde weiterzuleiten, der solle auch die Mühe aufbringen und nachsehen, ob die Meldung echt sei, sagte Christian Stöcker, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg,

Doch kann man dem einfachen Internetnutzer zumuten, echte Meldungen von Fake-News zu unterscheiden? Laut Stöcker sei es falsch, bei Meldungen nur die Überschrift zu lesen. Die Schnelligkeit im Netz bringe es mit sich, dass viele gar nicht mehr bis zum Ende einer Meldung lesen. Dies sei jedoch gerade notwendig, um einschätzen zu können, ob es sich bei der Meldung um eine echte Information handelt.

„Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.“

Auch die Mitarbeit von Unternehmen spiele im Kampf gegen Fake-News eine große Rolle. Heiko Maas sieht hier soziale Netzwerkbetreiber in der Verantwortung, die Meldungen ihrer Nutzer über mögliche strafbare Inhalte zu überprüfen. Daher hat das Ministerium jüngst einen Gesetzentwurf (Gesetzes zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken) vorgelegt, der die Unternehmen verpflichtet, Meldungen von strafbaren Inhalten unverzüglich zu prüfen und kurzfristig zu löschen. „Das ist eine klare Konsequenz, wenn sich Netzwerkbetreiber nicht an Richtlinien halten“, so Maas.

Doch auch die Justiz zeige mit jüngsten Verurteilungen in Fällen, in denen strafbare Inhalte gepostet wurden, eine klare Haltung, betonte Maas. Nach seiner Ansicht sei es wichtig, dass diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die den Rahmen der freien Meinungsäußerung verlassen.

„Jeder kann dazu beitragen, gegen Fake-News vorzugehen“

Was politisch korrekt ist, müsse die Gesellschaft jedoch selbst definieren, hob Maas hervor. Da helfen keine Gesetze. Jeder sei ein Teil dieser Gesellschaft und könne dazu beitragen, gegen Fake-News und Hassattacken aus dem Netz vorzugehen.

Für Carline Mohr ist guter Journalismus eines der wichtigsten Mittel gegen Fake-News. Auch der Dialog mit Nutzern helfe sehr, sagte Mohr. Das ernst zu nehmen was gesagt wird, auf Fragen antworten – das sei entscheidend. „Und ganz wichtig ist die Transparenz der Medien.“
Maas sieht in dem Fake-News-Phänomen für die Medien eine schwere Aufgabe – jedoch auch eine Chance: „Die Bevölkerung sucht gerade jetzt nach verlässlichen Quellen.“

Eine Gefahr für die Demokratie?

Für den Bundesjustizminister sind die zunehmenden Falschmeldungen alleine noch kein Grund, sich um die Demokratie zu sorgen. „Unsere Demokratie hält einiges aus“, zog er am Montagabend Bilanz. Der Fortschritt der Digitalisierung mache es natürlich einfacher, Falschmeldungen zu erstellen und Desinformationen zu verbreiten. Aufhalten solle man diesen Fortschritt deswegen allerdings nicht. Es sei an der Zeit, dass sich unsere Gesellschaft für die teilweise als Selbstverständlichkeit angesehenen demokratischen Werte unserer heutigen Zeit aktiver stark mache.

Zusatzinformationen

Zwischen Fakten, Fakes und Manipulation – Wie schützen wir die Demokratie im Netz?

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 20. März 2017