Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Thema Justiz Reform des Urhebervertragsrecht tritt in Kraft

Zum 1. März 2017 ist das Gesetz zur Reform des Urhebervertragsgesetzes in Kraft getreten - genauer das Gesetz zur verbesserten Durchsetzung des Anspruchs der Urheber und ausübenden Künstler auf angemessene Vergütung. Das neue Urhebervertragsrecht reformiert das Fundament unserer Kultur- und Kreativwirtschaft und garantiert eine faire Vergütung für Kreative.

Reform des Urhebervertragsrecht tritt in Kraft „Mit dem Gesetz sorgen wir dafür, dass sich Urheber und Verwerter wieder auf Augenhöhe begegnen. Wir stärken die Position der Kreativen bei den Vertragsverhandlungen, ohne die Geschäftsmodelle der Verwerter zu gefährden“, so Heiko Maas.

„Mit dem Urhebervertragsrecht reformieren wir das Fundament unserer Kultur- und Kreativwirtschaft. Wir stärken die Kreativen im Land. Urheber und ausübende Künstler werden für ihre Leistungen künftig fairer bezahlt. Ihr Anspruch auf eine angemessene Vergütung steht bislang zwar im Gesetz, ist aber viel zu selten Wirklichkeit. Unsere Reform hilft den Kreativen, ihre Ansprüche auch durchzusetzen: Durch Stärkung ihrer individuellen Rechte und durch den Ausbau des kollektiven Urhebervertragsrechts. Denn: Kreative sollen von ihrer Arbeit leben können. Faire Bezahlung für gute Arbeit brauchen wir nicht nur in Industrie und Dienstleistung. Wir brauchen sie auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Gerade dort, wo durch die Digitalisierung besonders rasante Entwicklungen stattfinden. Mit dem Gesetz sorgen wir dafür, dass sich Urheber und Verwerter wieder auf Augenhöhe begegnen. Wir stärken die Position der Kreativen bei den Vertragsverhandlungen, ohne die Geschäftsmodelle der Verwerter zu gefährden.“
Bundesminister Heiko Maas

Hintergrund

Heute müssen viele Kreative den Verwertern zu viel zu niedrigen Honoraren sämtliche Rechte an ihren Werken über die gesamte Schutzdauer, also oft für mehr als 100 Jahre einräumen ("Total Buyouts"). Wer sich als Kreativer dagegen wehrt, riskiert, keine Folgeaufträge mehr zu erhalten – ihm droht das sog. „Blacklisting".

Das heute in Kraft getretene Gesetz zur verbesserten Durchsetzung des Anspruchs der Urheber und ausübenden Künstler auf angemessene Vergütung sieht folgende zentrale Regelungen vor:

  • Der Urheber, der dem Verwerter gegen eine pauschale Vergütung ein Exklusivrecht eingeräumt hat, erhält das Recht, sein Werk nach Ablauf von zehn Jahren auch anderweitig zu vermarkten. Der erste Vertragspartner ist zwar zur weiteren Verwertung befugt – aber eben nicht mehr exklusiv. Das schafft zugleich Anreize für die Vertragsparteien, entweder von vornherein Honorare zu vereinbaren, die sich nach den konkreten Nutzungen richten, oder aber die Rechtseinräumung zeitlich zu begrenzen.
  • Die Kreativen erhalten ein ausdrücklich geregeltes gesetzliches Recht auf Auskunft über erfolgte Nutzungen. Die Künstlerinnen und Künstler sollen wissen, wieviel mit ihrer Leistung verdient wird. Dieses Auskunftsrecht gilt künftig nicht nur im unmittelbaren Vertragsverhältnis, sondern auch gegenüber denjenigen Unternehmen in der Lizenzkette, die maßgeblich bestimmen, wie die kreativen Inhalte verwertet werden, oder bei denen besonders hohe Gewinne anfallen.
  • Das Prinzip der fairen Beteiligung der Kreativen an jeder Nutzung wird gestärkt: Nutzt der Verwerter mehrfach, beispielsweise in verschiedenen Online-Medien, muss dies bei der Vergütung berücksichtigt werden.
  • Und: Wir schaffen ein Verbandsklagerecht für Urheberverbände, um die tatsächliche Durchsetzung von vereinbarten Vergütungsregelungen zu erleichtern. Wenn diese Regelungen in Verträgen mit einzelnen Künstlern unterlaufen werden, dann kann sein Verband in Zukunft dagegen vorgehen. Der einzelne Künstler ist künftig nicht mehr auf sich allein gestellt ist, wenn es darum geht, sein Recht auf eine faire Bezahlung durchzusetzen.

Das Gesetz wurde zudem noch um einen wichtigen Punkt ergänzt:

Das europäische und das deutsche Urheberrecht sehen gesetzlich erlaubte Nutzungen vor. Der Rechtsinhaber kann diese Nutzungen, beispielsweise die erlaubte Privatkopie, nicht verbieten, erhält dafür aber eine angemessene Vergütung, die von den Verwertungsgesellschaften eingezogen wird. Diese Vergütungen stehen nach dem Gesetz zunächst dem Urheber zu. Nach bisheriger Vertragspraxis erhielt auch der Verleger hiervon einen Anteil. Die Rechtsprechung der Europäischen Gerichtshofs sowie ihm folgend des Bundesgerichtshofs hat in Zweifel gezogen, ob diese bewährte Praxis weitergeführt werden kann.

Mit den Neuregelungen wird Klarheit geschaffen: Verleger können auch weiterhin an gesetzlichen Vergütungsansprüchen über Verwertungsgesellschaften beteiligt werden. Das Gesetz schafft damit die Grundlagen für die weitere Zusammenarbeit der Autoren und Verleger in gemeinsamen Verwertungsgesellschaften.

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