Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Headline Safer Internet Day 2016 Am Puls der Zeit – Wie wertvoll sind Wearables und Gesundheitsapps?

Fitnessarmbänder, Smartwatches und Gesundheitsapps – Was bietet uns die neue Art der „Selbstvermessung“? Und ist sie es uns wert, den Schutz unserer sensiblen Gesundheitsdaten zu gefährden? Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gingen diesen Fragen auf der von BMJV und Bitkom veranstalteten Konferenz zum diesjährigen Safer Internet Day am 9. Februar 2016 nach.

Gesundheit ist wichtig. Damit wir sie im Alltag nicht aus den Augen verlieren, helfen uns sogenannte Wearables und Gesundheitsapps dabei, auf Fitness und gesunde Ernährung zu achten. Smartwatch, Fitness Tracker und andere Miniaturcomputer sind erst seit wenigen Jahren auf dem Markt. Und doch betrug ihr Absatz im Jahr 2015 bereits 1,7 Millionen Geräte. Bei der Vielzahl an neuen Datenquellen stellt sich jedoch die Frage nach dem Schutz der sensiblen Gesundheitsdaten von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Wer darf auf die Daten zugreifen? Und was ändert sich durch die neue Art der „Selbstvermessung“ für das Verhältnis zwischen Arzt und Patient?

Diese Fragen diskutierten rund 300 Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, auf der Konferenz zum diesjährigen Safer Internet Day. Gemeinsam mit Bundesjustiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas, beleuchten die Teilnehmer im Umweltforum Auferstehungskirche in Berlin-Friedrichshain die Chancen und Risiken der Nutzung von Wearables und Gesundheitsapps. Moderiert wurde die Veranstaltung von RadioEins-Journalist Robert Skuppin.

„Verbraucherinnen und Verbraucher sind sehr sensibel, wenn es um ihre persönlichen Daten geht.“
Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz

„Fitness und Gesundheitsdaten sind Teil der Privatsphäre“

Heiko Maas eröffnete die diesjährige Veranstaltung unter dem Motto: "Am Puls der Zeit? Wearables und Gesundheitsapps“. Zu Beginn präsentierte er die Ergebnisse einer vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) durchgeführten Umfrage unter 2000 Verbraucherinnen und Verbrauchern zum Thema Fitness-Armbänder und Gesundheitsapps. Drei Faktoren bereiten den Befragten bei der Nutzung der neuen Technologien am meisten Sorge:

  1. falsche Messwerte;
  2. falsche Gesundheitsratschläge und
  3. der Datenschutz.

Die Umfrage zeige, so Maas, „Verbraucherinnen und Verbraucher sind sehr sensibel, wenn es um ihre persönlichen Daten geht.“ Immerhin 39% der Befragten äußerten Angst vor unzureichendem Datenschutz. Rund die Hälfte möchte selbst bestimmen können, wer ihre Gesundheitsdaten erhält. Allein 5% ist es völlig egal, wer ihre Daten einsehen kann – so das Ergebnis der Umfrage.

YouGov-Studie(PDF, 526KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Fitness und Gesundheitsdaten seien Teil der Privatsphäre, so der Minister. Kein Mensch dürfe zum Objekt eines Algorithmus werden – dies müsse die Politik achten. Damit erinnerte Maas an die digitalen Grundrechte, die er im vergangenen Jahr als rechtliche Eckpfeiler für unser Leben in der digitalen Welt formulierte. Die größten Herausforderungen der digitalen Technik könnten bereits mit dem geltenden Recht bewältigt werden, sagte Maas. „Andere brauchen aber noch die richtige Lösung“.

Entlastung für das Gesundheitssystem

Martina Koederitz, Mitglied des BITCOM-Präsidums verwies auf die zentrale Rolle, die Wearables und Gesundheitapps im Gesundheitssystem spielen. „Die Miniaturcomputer sind mehr als eine nette Spielerei für Sportler und Gesundheitskünstler“, so Koederitz. Die neue Datenerhebung entlaste das Gesundheitssystem, da sie chronisch Kranke und Ärzte unterstütze. Ohne die Systeme müssten die einzelnen Gesundheitsdaten mühsam erhoben werden. Doch sollten Verbraucherinnen und Verbraucher auf die Unterschiede der angebotenen Technologien achten – und die Testergebnisse oder Empfehlungen von wissenschaftlichen Einrichtungen lesen. „Es geht um sensible Daten“, erinnerte Koederitz. „Vielleicht die intimsten Daten, über die ein Mensch verfügt."

„Gesundheitsapps und Wearables bieten großes Potential“

Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., sieht ein großes Potential in Waerables und Gesundheitapps – jedoch zeichneten sich noch keine überprüfbaren Verbesserungen ab, von denen Menschen tatsächlich profitieren. „Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bietet so viele Chancen, das Leben von Kranken zu erleichtern", so Müller. Doch bergen Wearables und Gesundheitsapps auch ein erhebliches Schadenpotential, hinsichtlich Datensicherheit und Datenschutz – diese dürften nicht auf der Strecke bleiben.

Hintergrundinfo:
Der Safer Internet Day ist eine Initiative der Europäischen Kommission – und findet jährlich als weltweiter Aktionstag für mehr Sicherheit im Internet statt.
Die Veranstaltung zum Safer Internet Day wird seit 2008 vom Verbraucherschutzministerium und dem IT-Branchenverband Bitkom durchgeführt.

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