Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Thema Veranstaltungen Mündig, kritisch, überfordert? – Auf dem Weg zu einem realistischen Verbraucherbild

Wie verändert sich das Bild des „Verbrauchers“? Welche Werte sind Verbrauchern wichtig? Und was bedeutet das für die Verbraucherpolitik der kommenden Zeit? Darüber diskutierte Bundesminister Heiko Maas im Rahmen der Veranstaltungsreihe 360grad am 24. November mit seinen Gästen.

Heiko Maas und seine Gäste diskutieren gemeinsam. Müssen wir uns vom Bild des mündigen Verbrauchers verabschieden? Darüber diskutierte Heiko Maas am Abend mit seinen Gästen und dem Publikum. Foto: BMJV

Mündig, kritisch oder doch überfordert? Welches Bild trifft auf den aktuellen Verbraucher zu? Gemeinsam mit Bundesjustiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas wagten Trendforscher Prof. Peter Wippermann, ARD-Verbraucherexpertin Yvonne Willicks und Lina Ehrig vom Team „Digitales und Medien“ des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) den Rundum-Blick und diskutierten aktuelle Trends und deren Einflüsse auf Verbraucherbild und Verbraucherpolitik. Moderiert wurde der Talk von ZDF-Journalistin Anja Heyde.

Vertrauensverlust in der Bevölkerung

Zum Beginn der Veranstaltung präsentierte Prof. Wippermann den aktuellen „Werte-Index“. Darin untersuchen er und seine Mitarbeiter des Trendbüros die Frage, wie sich die Verbraucher entwickeln, welche Werte und Themen ihnen wichtig sind und welche Trends im Verbraucherbild sich daran ablesen lassen können. Dabei steht laut Wippermann die Sicherheit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern weit vorn im Werte-Ranking. Aber Themen wie Gesundheit, Freiheit, Erfolg sind ebenso wesentliche Werte in der Lebenswelt der Verbraucher, so das Ergebnis der Wippermann-Studie.

Zudem sei ein genereller Vertrauensverlust bemerkbar, der zu einer zunehmender Verunsicherung der Verbraucher führen würde. Auch ARD-Expertin Yvonne Willicks kann aus Ihrer Arbeit diesen Vertrauensverlust bestätigen. Sie berichtete hierbei aber auch von einer Überforderung des Verbrauchers und der Suche nach einer einfachen Antwort – einer verlässlichen Möglichkeit, sich anhand konkreter Informationen im immer komplexer werdenden Alltag als Verbraucher selbst zu entscheiden. Hier sieht Willicks auch die Politik gefordert, die Grundlagen dafür zu schaffen.

Veränderungen durch Digitalisierung

Die Digitalisierung ist im Alltag der Verbraucherinnen und Verbraucher komplett angekommen, bestätigte Lina Ehrig von der vzbv. Damit sei der Alltag aber auch komplexer geworden und neue Herausforderungen für die Verbraucherpolitik entstanden. „Wir brauchen hier meiner Ansicht nach eine Kombination aus einem Regelungsrahmen durch die Politik und auf der anderen Seite aus dem Verbraucher, der selbst verantwortlich ist“, so Ehrig weiter.

Mit der geplanten Datenschutzgrundverordnung mache die Politik hier bereits einen ersten, wichtigen Schritt, betonte Verbraucherschutzminister Heiko Maas. Verbindliche, wirkungsvolle Verbraucherschutzstandards sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher dann in der digitalen Welt besser schützen. „Wichtig ist aber auch“, so Maas, „das Bewusstsein der Menschen z.B. im Umgang mit ihren Daten im Internet weiter zu schärfen. Hier sehe ich noch auf Aufholbedarf. Denn diese Bewusstsein entscheidet auch über Selbstbestimmung und Freiheit in der digitalen Welt.“

Daneben biete das geplante Verbandsklagerecht neue Chancen für Verbraucher, so Maas. Eine effektivere Rechtsdurchsetzung durch Verbraucherverbände sei ein wichtiges Instrument gegen Datenschutzverstöße, so der Minister. Nötig sei eine Verbraucherschutz-Kette von mehr Verbraucherbildung bis hin zu einer besseren Rechtsdurchsetzung.

DEN Verbraucher gibt es nicht

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass es DEN Verbraucher nicht geben kann. „Der mündige Verbraucher ist ein Idealbild, das es bedauerlicherweise in der Realität nicht immer gibt“, erklärte Maas. „Es gibt einzelne Bereiche – z.B. bei Finanzdienstleistungen und in den Themen der digitalen Welt – in denen der Verbraucher auch auf gesetzliche Leitplanken – etwa durch verbesserte Beratungsvorschriften – angewiesen ist, um eine möglichst rationale Entscheidung treffen zu können. Gleichwohl könne und wolle die Politik den Verbrauchern die letztliche Kauf- oder Vertragsentscheidung nicht abnehmen.

Vielmehr müsse sich die Politik auf die unterschiedlichen Verbraucherinnen und Verbraucher einstellen und ihre Handlungsmöglichkeiten gleichermaßen stärken. Dazu gehören auf der einen Seite, so Maas, klare und verständliche Verbraucherinformationen, die Voraussetzung für deren Souveränität sind. Zum anderen sei es aber auch wichtig, den Menschen die Möglichkeit zu geben, die Rechte, die sie durch die Regelungen der Politik bekommen, auch durchzusetzen.

360grad ist das interaktive Debatten- und Meinungsforum des BMJV. Regelmäßig diskutiert Heiko Maas dort mit interessanten Gesprächspartnern, Sachverständigen, Multiplikatoren, Journalisten und einer interessierten Öffentlichkeit aktuelle Themen der Rechts- und Verbraucherschutzpolitik.
Über einen Livestream können die Veranstaltungen auch im Internet live mitverfolgt werden. Via Twitter und Facebook besteht die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen.


Ein Rückblick: Hier geht's zur Aufzeichnung der Veranstaltung