Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

„Ein Held von gestern für heute“ - Maas zeichnet Nachwuchsjuristen mit „Fritz Bauer Studienpreis“ aus

Bundesjustizminister Heiko Maas hat am 1. Juli erstmals den vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ausgelobten „Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte“ verliehen. Ausgezeichnet wurden zwei Nachwuchsjuristen für ihre herausragenden Doktorarbeiten.

Heiko Maas mit den beiden Gewinnern 2015 „Ein Held von gestern für heute“ - Maas zeichnet Nachwuchsjuristen mit „Fritz Bauer Studienpreis“ aus Foto: BMJV

Heiko Maas hatte den Preis 2014 gestiftet, um an den einstigen hessischen Generalstaatsanwalt und Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses Fritz Bauer (1903-1968) zu erinnern. Mit dem Preis sollen Nachwuchsjuristen motiviert werden, sich mit Leben, Werk und Lebensthemen Fritz Bauers zu befassen. „Fritz Bauer hat seinen Beruf als Richter und Staatsanwalt stets als Verpflichtung verstanden, sich für die Demokratie und die Menschenrechte stark zu machen“, so Maas. „Zu seinen Lebzeiten war er verfolgt, verhasst und umstritten. Heute ist Fritz Bauer ein Vorbild für alle Juristinnen und Juristen. Auf den Tag genau 47 Jahre nach dem Tod des Juristen Fritz Bauer wurde dieser Preis nun zum ersten Mal verliehen."

„Der Name Fritz Bauer war bis vor kurzem nur Juristen ein Begriff. Heute rückt er ins Rampenlicht – ein Jurist, der nicht zusehen wollte, wie Nationalsozialisten unbestraft bleiben. Ein Held von gestern für heute, wie die Süddeutsche Zeitung passend titelte.“ betonte Maas in seiner Laudatio in Richtung der Preisträger.

Als einer der Preisträger wurde Dr. Arthur v. Gruenewaldt aus Frankfurt am Main für seine Dissertation „Die Richterschaft des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main in der Zeit des Nationalsozialismus“ ausgezeichnet. Seine Untersuchung zeigt, wie willfährig sich die Frankfurter Richterschaft gegenüber der nationalsozialistischen Diktatur gezeigt hat und zu Mittätern des Unrechts wurde. Auch Dr. Andreas Werkmeister erhielt für seine Doktorarbeit zu „Straftheorien im Völkerrecht“ den Fritz Bauer Studienpreis. Seine Arbeit knüpft an die Bemühungen Fritz Bauers an, mithilfe des Völkerstrafrechts staatliches Unrecht zu ahnden. Der Preis ist insgesamt mit 5000 Euro dotiert.

Der Fritz Bauer Studienpreis wurde unter Mitwirkung einer hochrangig besetzen Jury vergeben. Dazu gehören Christoph Flügge (Internationaler Strafgerichtshof für das ehem. Jugo-slawien, Den Haag), Prof. Dr. Raphael Gross (Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt/M.), Werner Koep-Kerstin (Humanistische Union, Berlin), Prof. Dr. Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin) und Prof. Dr. Gerhard Werle (Humboldt-Universität zu Berlin).

Zur Person Fritz Bauer

Fritz Bauer, einstiger Generalstaatsanwalt von Hessen, ist vor allem als Initiator des Auschwitz-Prozesses, der von 1963 bis 1965 in Frankfurt am Main stattfand, bekannt.
Bauer wurde 1903 in Stuttgart als Kind jüdischer Eltern geboren und wurde 1930 einer der jüngsten Richter Deutschlands. In der Weimarer Republik engagierte er sich u.a. im Republikanischen Richterbund für die Demokratie. Die Nationalsozialisten vertrieben Bauer 1933 aus dem Richteramt und inhaftierten ihn kurzzeitig in einem Konzentrationslager. Den Holocaust überlebte er, da er 1936 nach Dänemark, später nach Schweden emigriert war. 1949 kehrte Bauer nach Deutschland zurück, wirkte zunächst in Braunschweig und ab 1956 als Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main.

Bauer setzte sich gegen große Widerstände in der westdeutschen Nachkriegsjustiz für die Strafverfolgung von NS-Tätern ein. Neben dem Auschwitz-Prozess unterstützte er israelische Behörden auch bei der Ergreifung des einstigen SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann, dem Organisator des Holocausts. Fritz Bauer engagierte sich zudem für ein modernes Strafrecht und einen humanen Strafvollzug, der stets die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellte. Heute vor 47 Jahren, am 1. Juli 1968, starb Bauer in Frankfurt am Main. Mit seinem unerschütterlichen Engagement für eine Justiz, die an demokratischen, sozialen und humanistischen Werten orientiert ist, ragte er aus der westdeutschen Nachkriegsjustiz weit heraus.

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