Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Menü des Verbraucherschutzportals

Logo des DIN-Verbraucherrats

Thema Verbraucherschutz DIN-Verbraucherrat

Normen begegnen uns in den unterschiedlichsten Bereichen: ob Brillen, Lupen, Uhren – oder den uns allen bekannten Papierformaten DIN A4, A5 etc. Aber nicht nur Produkteigenschaften, auch Maßeinheiten, Verfahren und Dienstleistungen jeglicher Art sind inzwischen genormt. Bald soll es sogar eine DIN-Norm für Paketkästen geben. Doch fangen wir einmal bei dem Grundsätzlichen an: Was ist eigentlich Normung?

Normung – was bedeutet das?

Stellen Sie sich einmal vor, jedes einzelne Blatt Papier hätte eine andere Größe. Bereits das Durchblättern eines Buches würde Ihnen Probleme bereiten. Denken Sie an Steckdosen, Dübel oder Duschköpfe – hätte jedes einzelne Teil eine unterschiedliche Form und Größe, wären Sie beim Kauf des passenden Produkts schnell überfordert. Und die immensen Kosten für die unterschiedlichen Produktionsprozesse würden wohl letzten Endes Sie als Endverbraucher zahlen müssen. Daher haben Experten und Wirtschaftsunternehmen der jeweiligen Branche - unter Zugrundelegung von Erfahrungen und gesicherten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Technik - einheitliche Standards für Produkte und Produktionsprozesse entwickelt.
Normung dient also die Vereinheitlichung eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Verfahrens; eine „Norm“ ist das Dokument, das die jeweiligen Anforderungen daran festlegt. Seither kann sich jeder unter Bezeichnungen, wie etwa der vielleicht bekanntesten „DIN-A4“ das Format eines Blattes vorstellen.

Wer oder was ist DIN?

Der Normungsprozess erfolgt unter Anleitung des DIN – dem Deutschen Institut für Normung {http://www.din.de/de}. Das DIN ist Deutschlands größter Dienstleister in der Normungsarbeit.
Der privatwirtschaftlich organisierte Verein bringt über 30.000 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie eben auch die Interessenvertreter von Verbraucherinnen und Verbrauchern zusammen.

Während die externen Experten ihr Wissen zur Entwicklung einer DIN-Norm beitragen, sorgen die internen Mitarbeiter in den Arbeitsausschüssen für einen reibungslosen Ablauf des Normungsverfahrens.

Wie entstehen DIN-Normen?

Bleiben wir bei dem obigen Beispiel der Paketkästen:

Bei der Zustellung von Paketen kommt es häufiger zu Problemen: Der Kunde ist nicht zu Hause – und die Nachbarn weigern sich, das Paket entgegenzunehmen. Nachdem immer mehr Paketdienste das Problem ihrer Kunden erkannten, entwickelten sie einen Paketkasten. Diesen konnten sich die Kunden vor die Tür stellen – und der Paketzulieferer warf das Paket bei Abwesenheit einfach in den Kasten.
Nun entwickelte jeder Paketdienst aber seinen ganz eigenen Paketkasten – mit eigenem Format. Die Kunden mussten sich gleich mehrere Kästen vor die Tür stellen, um die Paketanlieferung sicherzustellen. Da das nicht nur seltsam aussah, sondern auch mit erheblichen Kosten verbunden war, entwickelten die größten der Paketdienste, unter Zugrundelegung ihrer gesammelten Erkenntnisse und unter Anleitung des DIN, einen einheitlichen Paketkasten.

Wann ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Verfahren genormt werden soll, entscheiden in erster Linie die beteiligten Unternehmen der Branche. Denn Normen entwickeln meist diejenigen, die sie später auch anwenden. Den Antrag auf Normung kann aber grundsätzlich jeder stellen.

Damit der Markt die Norm später auch annimmt, werden alle Interessierten der Branche am Normungsverfahren beteiligt: die sog. Interessierten Kreise. Vor der Verabschiedung einer neuen Norm wird diese gemeinsam erarbeitet und später veröffentlicht. Im Prinzip kann dabei jeder Betroffene an dem Entstehungsprozess mitwirken.

Alle fünf Jahre werden die Normen im Regelfall kontrolliert und, falls notwendig, angepasst.

DIN-Normen sind freiwillig

Eine Pflicht zur Normanwendung besteht übrigens nicht – DIN-Normen werden grundsätzlich freiwillig angewendet. Erst dann, wenn der Gesetzgeber die Anwendung zwingend vorschreibt – oder ihre Einhaltung beispielsweise in Verträgen oder Ausschreibungen fest vereinbart wurde –, müssen die Normen angewendet werden.

Daneben zeigen Unternehmen mit der Einhaltung von Normen aber auch einen gewissen Qualitätsstandard – denn die Normen entsprechen den anerkannten Regeln der Technik.

Normung unterstützt den Verbraucherschutz

Die Vereinheitlichung von Produktionsprozessen sorgt dafür, dass die Qualität von Produkten, Verfahren und Dienstleistungen besser überprüft werden kann. Dadurch leistet die Normung neben einer Verbesserung der Vermarktungsmöglichkeiten auch einen wichtigen Beitrag zum Verbraucherschutz. Aus Sicht des Verbraucherschutzes spielen vor allem aber auch Aspekte der Sicherheit (etwa bei Kinderspielzeug), der Kompatibilität (z. B. von Handy-Ladegeräten), der Barrierefreiheit (beispielsweise bei der Gestaltung von Verpackungen unter Berücksichtigung älterer Menschen oder Menschen mit Behinderungen), der Ressourcenschonung (Vermeidung von negativen Umwelteinwirkungen), des Datenschutzes (gerade bei sensiblen personenbezogenen Daten) oder der Information über Produkteigenschaften (der fast leidige „Klassiker“: Gebrauchsanleitungen) eine wichtige Rolle.

Neben der Qualitätssicherung können Normen aber auch Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen: Trägt ein Produkt oder eine Dienstleistung den Hinweis auf eine bestimmte Norm, können Sie als Verbraucher nachvollziehen, welche Eigenschaften mit dem Produkt oder der Dienstleistung verbunden sind und letztlich auch Produkte untereinander besser vergleichen.

Wer ist der DIN-Verbraucherrat?

Der DIN-Verbraucherrat (VR) ist die Interessenvertretung der Verbraucherinnen und Verbraucher bei der nationalen, europäischen und internationalen Normung. Er behält die o. g. Aspekte des Verbraucherschutzes im Blick und setzt sich für die Belange der Verbraucher ein.

Wer steht hinter dem VR?

Gegründet wurde der VR 1974 als Präsidialausschuss des DIN. Er setzt sich aus fünf ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen, die für die Dauer von drei Jahren vom Präsidenten des DIN in Abstimmung mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) ernannt werden. Derzeit zählen dazu je ein Vertreter:

  • der Stiftung Warentest,
  • der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM),
  • der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und
  • dem DHB – Netzwerk Haushalt und
  • der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg.

Was sind seine Aufgaben?

Der VR wird unterstützt von einer Geschäftsstelle beim DIN; deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie diverse ehrenamtlich Tätige unterstützen die Lenkungs- und Arbeitsgremien des DIN. Zu seinen Bereichen zählen alle grundsätzlichen Fragen des Verbraucherschutzes. Dabei kümmert er sich vor allem um:

  • die Qualität und Sicherheit bei Ge- und Verbrauchsgütern,
  • besondere Belange von Kindern, Senioren oder Menschen mit Behinderung,
  • Dienstleistungen,
  • Umweltschutz sowie
  • die Informations- und Kommunikationstechnik.

Er bringt sich mit Stellungnahmen und Normentwürfen in die Normungsarbeit ein – und beobachtet das Normungsgeschehen. Die für Sie als Verbraucherin oder Verbraucher wichtigen Ergebnisse, kommuniziert er der Öffentlichkeit.

Die Werte des VR

Bei seiner Arbeit wir der VR von verschiedenen Werten geleitet. Dazu gehören die Sicherheit und Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher, der Datenschutz, die Gebrauchstauglichkeit und Qualität von Produkten und Dienstleistungen sowie ihre Nachhaltigkeit.

In Zusammenarbeit mit nationalen, europäischen und internationalen Verbraucherorganisationen, kontrolliert er in regelmäßigen Abständen die Projekte an denen er beteiligt ist – und unterstützt so vorbeugend den Verbraucherschutz.

Gefördert wird der Verbraucherrat vom BMJV, aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Zusatzinformationen