Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Menschen, die nebeneinander stehen und elektronische Geräte nutzen.

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland wird auch angesichts der hohen Zahl von Asylsuchenden weiter ansteigen.

Für das Gelingen von Integration kann auch der Verbraucherschutz seinen Beitrag leisten. Wenn Migranten richtig bei uns ankommen sollen, dann müssen sie unsere Sprache lernen, unsere Werte verstehen oder – ganz banal – eine Wohnung und einen Job finden. Dazu gehört auch der Konsum. Die Verbraucherkompetenzen von Migranten und Flüchtlingen im Alltagsleben entscheiden mit darüber, ob Menschen am Wirtschaftsleben teilhaben können. Um Verbraucherinnen und Verbraucher mit Zuwanderungsgeschichte mit verbraucherrelevanten Alltagsfragen vertraut zu machen, bedarf es einer zielgruppengerechten Verbraucheraufklärung.

Nach den Erfahrungen der Verbraucherzentralen werden zum Teil im Geschäftsleben mangelnde Kenntnisse des deutschen Rechtssystems und der Sprache ausgenutzt. Migrantinnen und Migranten laufen Gefahr, Opfer von Betrug zu werden und Kostenfallen nicht zu erkennen.

Das BMJV unterstützt verschiedene Projekte zur Verbraucheraufklärung von Migranten, die auf den folgenden Seiten dargestellt werden. Mit Verbänden aus allen relevanten Bereichen hat das BMJV einen Runden Tisch eingerichtet, der durch den Austausch über best practice-Ansätze helfen soll, den Verbraucheralltag für Flüchtlinge zu erleichtern.

Geförderte Projekte

Tagung BMJV am 10. Mai 2016 „Vielfältige Gesellschaft - interkultureller Verbraucherschutz ?“

Wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft. Selbst bei gleicher Alters-, Einkommens- und Familiensituation lassen sich unterschiedliche Lebensstile mit völlig verschiedenen Interessen und Bedürfnissen feststellen, die zu unterschiedlicher Nachfrage nach Produkten führen. Die Konsumgüterindustrie hat darauf längst reagiert mit zielgruppenorientierten Angebots- und Werbekonzepten, um die Marktpotenziale optimal auszuschöpfen.

Zielgruppenorientierung ist auch das Stichwort für den Verbraucherschutz. Menschen haben aufgrund ihrer Lebenssituation und ihres kulturellen Hintergrundes unterschiedliche Zugänge zu Informationen und Beratungsangeboten.

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund wird auch angesichts der derzeitigen Zuwanderung weiter ansteigen. Um Verbraucherinnen und Verbraucher mit Zuwanderungsgeschichte ebenfalls mit verbraucherrelevanten Alltagsfragen vertraut zu machen, bedarf es einer zielgruppenorientierten Verbraucheraufklärung.

Was bedeutet das für die Arbeit der Verbraucherorganisationen? Wie müssen wir als Verbraucherschützer auf Menschen zugehen, damit die Information und Aufklärung, die wir uns wünschen, auch tatsächlich ankommt? Und was erwarten die Verbraucherinnen und Verbraucher von uns? Welche Anforderungen stellt die Einwanderungsgesellschaft an den Verbraucherschutz und wie können Verbraucherschutz und Verbraucherpolitik diesen Anforderungen gerecht werden? Braucht eine vielfältige Gesellschaft einen interkulturellen Verbraucherschutz und wie sieht dieser aus?

Diese und weitere Fragen wurden während der Tagung diskutiert. Einige der Ergebnisse finden Sie im Folgenden:

Studie der Alice Salomon Hochschule Berlin „Analyse von Informationsdefiziten und Lücken im Verbraucherschutz für Flüchtlinge und MigrantenInnen“

Im Zeitraum vom 3. bis 21. Mai 2016 wurden Befragungen in drei Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen) im Wege einer quantitativen Studie mit Stichproben durchgeführt. Face-to-face wurden 144 Flüchtlinge in 13 Einrichtungen auf der Basis eines Fragebogens in mehreren Sprachen befragt. An einer online-Befragung haben 298 Sozialar-beiter/-innen teilgenommen (von 638 angefragten Sozialarbeitern/-innen: Rücklaufquote 47,6 %). Die Flüchtlinge wurden in Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftseinrichtungen und in (Miet)Wohnungen befragt, die Sozialarbeiter/-innen ebenfalls in den Unterkünften aber auch in Migrationsberatungsstellen. Neben einer deskriptiven Auswertung wurden weitere Analysen im Hinblick auf unterschiedliche soziodemografische Variablen durchgeführt.

Erkenntnisse

Die am häufigsten von Flüchtlingen an die Sozialarbeiter/-innen herangetragenen Anliegen beziehen sich auf die Themenbereiche Gesundheit, Bildung, Wohnung, Asyl- und Aus-länderrecht sowie Arbeit.

Die Bereiche, in denen die Flüchtlinge angaben, die meisten Verbraucherschutzprobleme zu haben, sind die Bereiche Wohnung (Wohnungssuche, Mietvertrag, Mietkosten oder Betriebskosten), Asyl- bzw. Ausländerrecht, Arbeit (Arbeitssuche, Bewerbungen, Arbeitsrecht) und Internet (Abonnementverträge, Datenschutz bei digitalisierten Daten und Apps).

Verbraucherschutzrelevante Themen wie Versicherung, Wohnungen, Energieverträge, TV/Rundfunkbeiträge und Kaufverträge kommen im Allgemeinen häufiger in Beratungs-stellen oder Migrantenorganisationen vor als in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften.

Obwohl nicht Gegenstand der Befragung zeigte sich, dass im Bereich Öffentlicher Perso-nennahverkehr hoher Informationsbedarf besteht.

Als Handlungsempfehlung schlägt die Studie die Sensibilisierung der Flüchtlinge für den Verbraucherschutz vor durch:

  • Präventive Maßnahmen
  • Informationsbedarf themenorientiert aufbereiten (hoher Bedarf „Wohnung“ sowie Asyl- -und Ausländerrecht, Einbürgerung)
  • Differenzierte Zielgruppenorientierung (Differenzierung nach Geschlecht, Altersgruppe, Bildungsstatus, Aufenthaltsdauer)
  • Einsatz und Qualifikation von Flüchtlingen als Multiplikatoren zur Kenntnisvermittlung
  • Sensibilisierung der Schnittstellenfunktion Sozialarbeiter/-innen (Qualifizierung, Erarbei-tung von Infomaterialien für diese)

Die neuen Verbraucher – Verbraucherinformationen für digital affine Flüchtlinge sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Das Projekt „Die neuen Verbraucher“ nimmt die Bedürfnisse von Geflüchteten als Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland in den Blick. In enger Zusammenarbeit mit digital affinen Geflüchteten mit guter Bleibeperspektive werden Erkenntnisse dazu gesammelt, wie digitale Informations- und Hilfsangebote anwendungsfreundlicher und nützlicher gestaltet werden können.

Das Projekt „Die neuen Verbraucher“ läuft bis einschließlich Juni 2018 und wird im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz vom gemeinnützigen iRights e.V. durchgeführt.

Das Projekt umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die aufeinander aufbauen: Die Durchführung eines Mappings stellt im ersten Schritt sicher, dass der Großteil der schon vorhan-denen Verbraucherangebote für Geflüchtete erfasst und anhand von definierten Parametern bewertet werden. Der Praxischeck gibt Aufschluss über die lokal, sozial und strukturell unterschiedlichen Erfahrungen von Menschen, die mit Geflüchteten im Bereich der Verbraucheraufklärung arbeiten und den tatsächlich genutzten Angeboten. Im Rahmen von Einzel- und Gruppeninterviews mit Geflüchteten werden darauf basierend deren konkreten Bedürfnisse noch einmal verifiziert – mit dem Ziel, ein möglichst genaues Bild davon zu erhalten, welche Verbraucherinformationen wirklich benötigt werden. Zudem erfolgt im Rahmen von sogenannten Living Labs eine praxisnahe Auseinandersetzung mit verbraucherrelevanten Themen: Hier prüfen Geflüchtete unter anderem, wie digitale Informationsangebote so gestaltet werden können, dass sie die im Alltag aufkommenden Fragen noch besser beantworten. Ein ebenso partizipatorischer Ansatz wird mit einer Gruppe von zehn digital affinen Geflüchteten verfolgt, die als Alltagsbotschafterinnen und Alltagsbotschafter das Projekt kontinuierlich und aktiv begleiten. Sie tragen in erster Linie die im Projekt erarbeiteten Erkenntnisse in die eigenen Communities zurück und wirken so als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Gleichzeitig spiegeln sie dem Projektteam verbraucherrelevante Probleme, die an sie herangetragen werden.

Eine teil-virtuelle Roadshow unterstützt das Vorhaben, die in den zuvor beschriebenen Maßnahmen erarbeiteten Informationen in die Fläche zu tragen: Dafür werden gezielt Organisationen angesprochen, um sie gemeinsam mit den Alltagsbotschafterinnen und Alltagsbotschaftern on- und offline über Zwischenergebnisse des Projektes zu informieren. Auch hier bestehen Rückkoppelungsmöglichkeiten, indem Feedback aufgenommen wird, das dann in die abschließende Dokumentation einfließt. Dieser Projektbericht in Form eines Praxisleitfadens trägt schließlich sämtliche Erkenntnisse zusammen und formuliert darauf aufbauend Praxistipps, wie ein guter und sinnvoller digitaler Verbraucherschutz für Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive aussehen kann.

Kontakt: neueverbraucher@irights.info

Verbraucherinformationen für Flüchtlinge

Das Projekt „Verbraucherinformationen für Flüchtlinge“ sieht die Erstellung von zielgruppen-adäquaten mehrsprachigen Verbraucherinformationen zu Alltags- und Rechtsfragen, insbesondere im Zusammenhang mit Verträgen, vor. Es werden zehn Lebensszenarien, in denen bereits verstärkt verbraucherrechtliche Probleme bei Flüchtlingen aufgetaucht sind, beschrieben und in zehn mehrsprachigen Videos sollen diese Verbraucherprobleme aufgegriffen und leicht verständlich erklärt werden, um die neuen Verbraucher aufzuklären und vor unseriösen Anbietern zu schützen. Die zielgruppengerechten Videos arbeiten vorwiegend mit Bildern und weniger mit Sprache. Einfache, verständliche Informationen sind mit Blick auf die Komplexität des deutschen Rechtssystems von hoher Wichtigkeit. Da Mobiltelefone und Internetnutzung unter Flüchtlingen weit verbreitet sind, wird die Zielgruppe niedrigschwellig erreicht. Es wird auch darüber informiert, dass die Verbraucherzentralen unabhängige Einrichtungen sind, was ebenfalls dazu beitragen soll, die Hemmschwelle, eine solche Einrichtung zu besuchen, zu senken.

Geplant sind zudem Checklisten und Musterbriefe, die haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer in die Lage versetzen sollen, den Flüchtlingen aufzuzeigen, wie sie sich wehren und wohin sie sich bei Verbraucherschutzproblemen wenden können.

Weitere Informationen zu unterschiedlichen Themenbereichen

Wohnen und Energie

Zahlreiche Verbraucherschutzinformationen für Flüchtlingshelfer sowie Verbraucherinformationen für Flüchtlinge in Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Polnisch, Russisch und Türkisch.

Daneben hat auch die Energieberatung der Verbraucherzentralen Verbraucherinformationen für Flüchtlinge in Arabisch erstellt:

  • Strom sparen im Haushalt
  • Energie sparen als Mieter
  • Gesundes Raumklima

Im Folgenden finden Sie die Links zu den Angeboten.

Telekommunikation / Internet

Projekt „Migranten und Verbraucherschutz in digitalen Märkten“

Das Projekt richtet sich an russische und türkische Migrantinnen und Migranten. Die Projektmitarbeiter haben den Markt der sog. Ethnotarife bei Telekommunikation beobachtet, Unternehmen abgemahnt und Verbraucher aufgeklärt. Ethnotarife sind Tarife, die sich speziell an Kunden mit ausländischen Wurzeln richten, die oft Teilnehmer in ihren Herkunftsländern anrufen wollen. Das Projekt beobachtet, überprüft und wenn erforderlich sanktioniert auch den Online-Handel und die Online-Dienstleistungen für die Zielgruppe. Es soll dazu beitragen, Migrantinnen und Migranten in ihrer Rolle als Verbraucher in digitalen Märkten zu stärken und die Kooperation und Vernetzung von Verbraucherschutz- und Migrantenorganisationen zu verbessern.

Bankkonto eröffnen / sonstige Finanzdienstleistungen

Mehrsprachige Broschüren dazu finden Sie hier:

Allgemeine rechtliche Fragen