Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Thema Opferschutz und Gewaltprävention Opferhilfe und Opferschutz im Strafverfahren

Wenn die Prävention versagt hat und der Staat seine Bürger nicht wirksam vor Kriminalität schützen konnte, muss dafür Sorge getragen werden, dass Kriminalitätsopfern wirksam geholfen wird. Bund, Länder und eine Vielzahl von Opferhilfeeinrichtungen widmen sich diesem Ziel mit großem Engagement.

Ein Schnipsel Papier auf dem das Wort "Hilfe" steht. Die Länder nehmen die allgemeine Opferhilfe im Rahmen der föderalen Organisation der Bundesrepublik in eigener Zuständigkeit wahr. Sie engagieren sich durch zahlreiche unterschiedliche Maßnahmen, um die Situation von Kriminalitätsopfern zu verbessern und ihnen geeignete Hilfe anbieten zu können. Foto: photocase.de / knallgrün

Die Länder nehmen die allgemeine Opferhilfe im Rahmen der föderalen Organisation der Bundesrepublik in eigener Zuständigkeit wahr. Sie engagieren sich durch zahlreiche unterschiedliche Maßnahmen, um die Situation von Kriminalitätsopfern zu verbessern und ihnen geeignete Hilfe anbieten zu können. Dies geschieht beispielsweise durch besondere Schulungen für Polizeibeamte und Bestellung von Opferschutzbeauftragten bei den Polizeidienststellen, durch Einrichtung von Zeugenbetreuungsstellen, Unterbringungsmöglichkeiten für misshandelte Frauen und Mädchen, Bereitstellung von Informationsmaterial für Kriminalitätsopfer und finanzielle Unterstützung. In mehreren Ländern sind besondere Landesstiftungen und Opferbüros eingerichtet worden.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl nicht-staatlicher Einrichtungen der Opferhilfe die sich professionell oder ehrenamtlich der Betreuung und Beratung von Menschen widmen, die Opfer einer Straftat geworden sind.

Als bundesweit agierende Organisationen sind der WEISSE RING e.V. und der Arbeitskreis der Opferhilfen in Deutschland e.V. (ado) zu nennen. Der WEISSE RING beispielsweise bietet neben einem bundesweiten System von Anlaufstellen für Kriminalitätsopfer u. a. auch Beratungsschecks für die kostenlose Erstberatung bei einem frei gewählten Anwalt sowie ein rund um die Uhr besetztes „Opfertelefon“ an. Unter der europaweit für Opferhilfe geltenden Nummer 116006 können Opfer kostenfrei jederzeit Hilfe und Unterstützung erhalten. Der Arbeitskreis der Opferhilfen in Deutschland wirkt als Dachorganisation verschiedener professionell tätiger Opfereinrichtungen. Neben diesen überregionalen Opferhilfeinitiativen engagieren sich zahlreiche Hilfseinrichtungen auf regionaler und lokaler Ebene, die ebenfalls mit großem Engagement tätig sind und sich teilweise auf die Beratung und Betreuung von Personen spezialisiert haben, die Opfer bestimmter Kriminalitätsformen, wie etwa Sexualstraftaten oder fremdenfeindlich motivierter Übergriffe, geworden sind.

Die nachstehende Linkliste führt auf die Opferhilfe- bzw. Opferschutz-Seiten der einzelnen Länder, die weitergehende Informationen sowie Hinweise zu Opferhilfeeinrichtungen vor Ort enthalten:

Einen bundesweiten Überblick über Hilfsangebote bietet die ODABS-Onlinedatenbank für Betroffene von Straftaten“, welche im Rahmen des Projektes „Atlas der Opferhilfen in Deutschland“ der Kriminologischen Zentralstelle entstanden ist: http://www.odabs.org/index.html.

Opferschutz in Strafverfahren

Die Interessen der Opfer in den Blick zu nehmen und dafür zu sorgen, dass Ihnen mehr Rechte zukommen, war und ist ein wichtiges rechtspolitisches Ziel.

Zahlreiche Gesetzgebungsvorhaben der letzten Jahre haben die Situation der Opfer weiter verbessert und haben dazu geführt, dass der Opferschutz seinen festen Platz in der Strafprozessordnung hat. Opfer werden heute nicht mehr wie früher nur als Beweismittel gesehen. Opfer sind Menschen, die oftmals großen seelischen Belastungen ausgesetzt sind und denen mit viel Einfühlungsvermögen begegnet werden muss.

Das 3. Opferrechtsreformgesetz ist, abgesehen von den Regelungen zur psychosozialen Prozessbegleitung, am 31. Dezember 2015 in Kraft getreten. Mit dem Gesetz werden weitere wichtige Schritte unternommen, um den Schutzstandard für die Opfer zu erhöhen. Es werden die Verpflichtungen der Bundesrepublik aus der Richtlinie 2012/29/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2012 über die Mindeststandards für die Rechte, die Unterstützung und den Schutz von Opfern von Straftaten umgesetzt. Deutschland hat bereits einen hohen Schutzstandard im Bereich des Opferschutzes erreicht, so dass, die Richtlinie Umsetzungsbedarf nur in Teilbereichen, insbesondere bei den Verfahrens- und Informationsrechten, ausgelöst hat.

Die Regelungen zur psychosozialen Prozessbegleitung treten am 1. Januar 2017 in Kraft. Damit bekommen besonders schutzbedürftige Opfer die Möglichkeit, vor, während und nach der Hauptverhandlung professionell begleitet zu werden. Insbesondere Kinder und Jugendliche, die Opfer schwerer Sexual- oder Gewaltdelikte geworden sind, erhalten einen Rechtsanspruch auf kostenlose psychosoziale Prozessbegleitung. Für andere Opfer von schweren Gewalt- und Sexualstraftaten soll das Gericht nach Lage des Einzelfalls entscheiden, ob psychosoziale Prozessbegleitung erfolgen soll.

Bei der Umsetzung der Opferschutzrichtlinie haben der Bund und die Länder im Rahmen einer Arbeitsgruppe erörtert, ob es in den Ländern einen Umsetzungsbedarf gibt. Aufgrund des hohen Schutzstandards für Opfer in allen Ländern, wurde kein Umsetzungsbedarf festgestellt. Das Ergebnis der Bund-Länder-Arbeitsgruppe wurde in einem Bericht festgehalten, der hier abrufbar ist.

Opferschutz in anderen Verfahrensordnungen

Zur Prüfung der Frage, ob und welche opferschützenden Vorschriften aus dem Strafverfahrensrecht in andere Verfahrensordnungen übertragen werden können, hat BMJV an das Max-Planck-Institut für Strafrecht (MPI) eine Studie in Auftrag gegeben, die hier abrufbar ist.

Sprachvarianten des Merkblattes für Opfer einer Straftat

Zusatzinformationen

Broschüren zum Thema

Ich habe Rechte

Ein Wegweiser durch das Strafverfahren für jugendliche Zeuginnen und Zeugen.

Ich habe Rechte (verweist auf: Ich habe Rechte)

Merkblatt für Opfer einer Straftat

Dieses Merkblatt soll einen ersten Überblick darüber geben, wo Sie Hilfe finden und welche Rechte sie haben.

Merkblatt für Opfer einer Straftat (verweist auf: Merkblatt für Opfer einer Straftat)

Psychosoziale Prozessbegleitung

Sie oder Ihr Kind ist Opfer einer Gewalt- oder Sexualstraftat geworden oder Sie haben einen nahen Angehörigen durch ein Tötungsdelikt verloren? Dann haben Sie neben der Verarbeitung dieses Erlebnisses nun möglicherweise auch einen Strafprozess durchzustehen. Die psychosoziale Prozessbegleitung ist dafür da, Ihnen zu helfen.

Psychosoziale Prozessbegleitung (verweist auf: Psychosoziale Prozessbegleitung)