Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Thema Opferschutz und Gewaltprävention Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet ein an allen Standorten kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen. Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung, um mit ihrer pädophilen oder hebephilen Neigung leben zu lernen und sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet (sogenannte Kinderpornografie) zu verhindern.

Ein kleiner junge sitzt auf einer Schaukel. Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet ein an allen Standorten kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen. Foto: shutterstock

Das Projekt startete im Jahre 2005 in Berlin. Mittlerweile gibt es Standorte in Düsseldorf, Gießen, Kiel, Mainz, Hamburg, Hannover, Leipzig, Regensburg, Stralsund und Ulm. Weitere Anlaufstellen sind geplant. Alle Standorte haben sich zu einem Präventionsnetzwerk mit gemeinsamen Qualitätsstandards zusammengeschlossen. Ziel ist es, ein bundesweites, flächendeckendes therapeutisches Angebot zu etablieren.

Nicht alle betroffenen begehen Straftaten

Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern oder Jugendlichen begehen nicht zwangsläufig sexuelle Übergriffe oder nutzen entsprechende Abbildungen, die einen sexuellen Missbrauch darstellen (sog. Kinderpornografie). Daher müssen die Begriffe Pädophilie/Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch unterschieden werden. Während die strafrechtliche Bezeichnung sexueller Kindesmissbrauch ausschließlich sexuelle Handlungen mit Kindern beschreibt, wird unter Pädophilie/Hebephilie eine sexuelle Ansprechbarkeit auf den kindlichen bzw. jugendlichen Körper verstanden. Nicht jeder Pädophile/Hebephile begeht sexuellen Kindesmissbrauch und nicht jeder Sexualstraftäter ist pädophil/hebephil.

Der Graubereich ist groß

Der größte Anteil sexueller Übergriffe an Kindern und Jugendlichen ist polizeilich nicht bekannt. Da diese Taten nicht von der Kriminalstatistik erfasst werden und somit im Dunkeln verbleiben, bezeichnet man sie als Missbrauch im sogenannten Dunkelfeld. Der Anteil der Taten im Dunkelfeld ist um ein Vielfaches höher, Schätzungen zufolge mindestens achtmal so hoch, als der Anteil justizbekannter Taten, die als Taten im so genannten Hellfeld bezeichnet werden. Zwar ist der Anteil von Kinderpornografiedelikten an allen Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Hellfeld nach wie vor gering. Dennoch verzeichnen die polizeilichen Kriminalstatistiken einen deutlichen Anstieg für diese Gruppe von Straftaten. Es muss auch hier davon ausgegangen werden, dass der Konsum von Missbrauchsabbildungen im Internet überwiegend im Dunkelfeld stattfindet.

Ansatz für Therapie

Der klinischen Erfahrung nach verfügen viele der betroffenen Menschen über ein Problembewusstsein bezüglich ihrer sexuellen Impulse und suchen aus diesem Grund von sich aus therapeutische Hilfe. Oftmals fehlt es jedoch an qualifizierten Angeboten, da es diesbezüglich nur sehr wenige qualifizierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gibt. Eine Therapie, wie sie von den Netzwerkpartnern angeboten wird, will durch Prävention den direkten sexuellen Missbrauch an Kindern sowie den Konsum von Missbrauchsabbildungen (sog. Kinderpornografie) verhindern.

Aus einem Präventionsansatz für das Dunkelfeld ergeben sich zwei Ziele: Therapeutische Intervention bei bereits begangenen sexuellen Übergriffen bzw. bestehendem Konsum von Missbrauchsabbildungen (sekundäre Prävention) und therapeutische Prävention bei Menschen, die befürchten, einen sexuellen Übergriff gegenüber Kindern/Jugendlichen begehen zu können bzw. sich zu Missbrauchsabbildungen im Internet hingezogen fühlen (primäre Prävention).

Hilfe, Kontakt und weitere Informationen
https://www.kein-taeter-werden.de

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