Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Geschichte der Justizministerinnen und Justizminister in der BRD

Seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland hat es 20 Justizminister gegeben, 17 Männer und 3 Frauen.

Der erste Justizminister war Dr. Thomas Dehler. Er gehörte der FDP an. Seine Aufgabe war es, zunächst einmal ein Ministerium aufzubauen. Thomas Dehler war ein leidenschaftlicher Demokrat und Streiter für die Freiheit in allen Bereichen der Gesellschaft. Unter seiner Federführung musste die ganze Rechtsordnung von dem gedanklichen Unrat der Nazis entsorgt und das alte Recht mit dem jetzt maßgebenden Grundgesetz in Einklang gebracht werden. In den vier Besatzungsjahren seit 1945 war die Rechtseinheit vielfach verloren gegangen; sie galt es wiederherzustellen. Nach langem Rückschritt und Stillstand war die eigentliche Rechtsreform anzupacken. Wohnungseigentumsgesetz und Jugendgerichtsgesetz sind Beispiele für neue Wege unter Thomas Dehler. Nicht zuletzt waren das Bundesverfassungsgericht und die Obersten Gerichtshöfe des Bundes in großer Eile zu gründen.

Thomas Dehler folgten sieben weitere Justizminister, bis Dr. Dr. Gustav Heinemann (SPD) die oberste deutsche Justizbehörde für zwei Jahre übernahm, bevor er zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Ihm folgten die Bundesjustizminister Prof. Dr. Horst Ehmke (SPD), der nur ein halbes Jahr blieb, bevor er unter Willy Brandt Chef des Bundeskanzleramtes wurde, Gerhard Jahn und Dr. Hans-Jochen Vogel (beide SPD). Als Dr. Vogel 1981 als Regierender Bürgermeister nach Berlin ging, löste ihn als Justizminister Dr. Jürgen Schmude (SPD) ab. Er blieb bis zum Ende der sozial-liberalen Koalition im Amt.

1982 wurde Hans A. Engelhard (FDP) in der neuen Bundesregierung Kohl/Genscher Justizminister. Ihm war von allen Reichs- und Bundesministern der Justiz seit 1919 die längste Amtszeit vergönnt. Er hat sich bleibende persönliche Verdienste um die Erforschung der furchtbaren Rolle der Justiz in der Nazizeit erworben. Die Wanderausstellung "Justiz und Nationalsozialismus" und ihr vorzüglicher Katalog werden noch lange daran erinnern.

Nach der Wiedervereinigung und der ersten gesamtdeutschen Wahl rückte Dr. Klaus Kinkel (FDP) zum Minister nach, der unter der gesamten Amtszeit Engelhards Staatssekretär des Justizministeriums gewesen war. Hauptverdienst des Staatsekretärs und Ministers Dr. Kinkel war die verfassungsrechtliche und justizpolitische Bewältigung der Deutschen Einheit.

Als Dr. Kinkel nach dem Rücktritt von Hans Dietrich Genscher 1992 Außenminister wurde, folgte ihm als erste Frau im Amt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) nach. Sie trat 1996 als Justizministerin zurück, weil sie den Einsatz technischer Mittel zur akustischen Überwachung von Wohnungen zwecks Bekämpfung der Organisierten Kriminalität für inakzeptabel hielt, während die Mehrheit ihrer Partei dafür votierte. Ihr folgte Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig (FDP). Von seiner Rechtspolitik ist besonders die Reform des Kindschaftsrechts und des Handelsrechts sowie das Euro-Einführungsgesetz zu nennen.

Im Oktober 1998 wurde Frau Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD) Bundesjustizministerin. Zu ihrer Bilanz zählen die Zivilprozessreform und das Gesetz zur Modernisierung des Schuldrechts.

Von 2002 bis 2009 war Brigitte Zypries (SPD) Bundesjustizministerin. In ihre Amtszeit fallen unter anderem die gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung, der "Zweite Korb" des Urheberrechts, die Regelung des Versorgungsausgleichs, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz oder die Reformen des Unterhaltsrechts und des familiengerichtlichen Verfahrens.

Am 28. Oktober 2009 wurde Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erneut als Bundesministerin der Justiz vereidigt. Seit 17. Dezember 2013 ist Heiko Maas Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz. Erstmals in der Geschichte des Bundesjustizministeriums, hat es mit dem Thema Verbraucherschutz eine weitere Zuständigkeit erhalten.