Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Geschichte des Gebäudes

Das Bundesministerium der Justiz (BMJV) befindet sich in der Mohrenstraße in Berlin-Mitte, zwischen dem malerischen Gendarmenmarkt und dem Hausvogteiplatz.

Ein Gebäudeteil des Ministeriums - der sogenannte Plattenbau. Ein bedeutender Teil der Wende-Geschichte ist auf dem Areal des jetzigen BMJV geschrieben worden: Seinerzeit befand sich in dem historischen Haus Stern das Presseamt der DDR, in welchem am 9. November 1989 die Reisefreiheit der DDR-Bürger verkündet wurde. Foto: Stephan Klonck

Nach dem Umzugsbeschluss des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1991 waren als Dienstsitz für das Bundesjustizministerium zunächst mehrere Standorte im Gespräch - wie zum Beispiel die Münze am Molkenmarkt oder der Marstall. Schließlich fiel die Entscheidung zugunsten eines Sitzes zwischen der Mohren-, der Jerusalemer- und der Kronenstraße.

Die städtebauliche Umgebung

Die Umgebung des BMJV ist voller Zeugnisse ihrer – nicht zuletzt rechtspolitisch – bewegten Geschichte. Der Name der U-Bahnstation „Hausvogteiplatz“ rührt von dem königlichen Gefängnis und Gericht „Hausvogtei“ her. Dieses befand sich von 1750 bis 1891 in unmittelbarer Nähe zum jetzigen BMJV. Als die Hausvogtei abgerissen wurde, hatten sich die Straßenzüge zwischen Hausvogteiplatz und Gendarmenmarkt zu einem florierenden Konfektionsviertel entwickelt. Ein Großteil der sich hier etablierenden Modehäuser stand in jüdischem Eigentum. Verlässt man die U-Bahnstation Hausvogteiplatz über die Treppen in Richtung dieses Platzes, so findet man auf den einzelnen Stufen die Namenszüge zahlreicher jüdischer Konfektionshäuser mit verschiedenen Daten. Diese Daten erinnern jeweils an den Tag, an welchem dem betreffenden jüdischen Kaufmann unter dem NS-Regime der Betrieb seines Geschäfts untersagt worden war.

Einige der um die Jahrhundertwende erbauten Konfektionshäuser findet man auch auf dem Areal des Bundesjustizministeriums: Das Haus Nagel, der Prausenhof, das Haus Muthesius und das Haus Stern stehen noch in ihrer ursprünglichen Bauart. Die ältesten Bauwerke auf dem Gelände sind jedoch die barocken Mohrenkolonnaden, deren eine Hälfte den Eingang des Ministeriums ziert. Der Architekt Carl Gotthard Langhans, auf dessen Schaffen auch das Brandenburger Tor zurückzuführen ist, hat sie erbaut. Sie bildeten ursprünglich den Fußweg einer steinernen Brücke, die über den alten Festungsgraben von der neuen Friedrichstadt zum Schlossbezirk führte.

Zum Zeitpunkt der Bauplanung für das BMJV guckten zwischen den historischen Gebäuden des Viertels einige Plattenbauten hervor, die zu DDR-Zeiten entstanden und teilweise unvollendet geblieben waren. Ein paar von ihnen nutzt das Ministerium auch heute noch: die Bauten, die den Gebäudekomplex des BMJV östlich abschließen, sollten eigentlich vom Patent- und Erfinderamt der DDR genutzt werden - dieses hat die Plattenbauten aber nicht mehr bezogen.

Verkündung der Reisefreiheit" am 9. November 1989

Ein bedeutender Teil der Wende-Geschichte ist übrigens auf dem Areal des jetzigen BMJV geschrieben worden: Seinerzeit befand sich in dem historischen Haus Stern das Presseamt der DDR, in welchem am 9. November 1989 die Reisefreiheit der DDR-Bürger verkündet wurde.

In dieser Pressekonferenz am späten Nachmittag erwähnte Günter Schabowski das Reisegesetz, das auf der Sitzung des ZK der SED besprochen worden sei. Auf Nachfrage eines Korrespondenten, ab wann das gelte, meinte Schabowski lapidar: "Sofort, unverzüglich."

Diese Sätze haben Großes ausgelöst - sie waren die Initialzündung für den Fall der Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten. Viele sehen dieses Ereignis als entscheidend für den Untergang der DDR an. Eine Installation des Künstlers Ulrich Schröder erinnert im Eingangsbereich des Ministeriums an dieses Ereignis.

Der Neubau

Planung und Bau des Dienstsitzes des Bundesjustizministeriums übernahm das Düsseldorfer Architekturbüro Eller und Eller (E + E), das auch den Landtag in Düsseldorf und das Schokoladenmuseum in Köln gebaut hat. Das Ziel, die zum Teil denkmalgeschützten Häuser nicht nur zu einer Gebäudeeinheit zu verbinden, sondern sie durch Neubauten zu ergänzen, haben die nordrhein-westfälischen Baumeister erreicht.

Entstanden ist ein lichtes und freundliches Ensemble mit vielen unterschiedlichen Ausblicken, Kunstwerken, Dachgärten und Innenhöfen. Die Innenhöfe sind durch Stahl-/Glaskonstruktionen überdacht, sodass man in ihrem hellem Ambiente auch im Winter Kaffee trinken oder verweilen kann. An repräsentativen Stellen sowie in den Fluren der Gebäude sind zahlreiche Plastiken und Malereien sowohl von renommierten als auch von Nachwuchskünstlern aus allen Teilen Deutschlands ausgestellt.

Der Gebäudekomplex verfügt über einen großen Konferenzsaal, der nach dem früheren Bundespräsidenten Dr. Dr. Gustav Heinemann benannt ist und über eine ausgezeichnete Akustik verfügt.

Bemerkenswert ist auch der neu gestaltete Kubus im östlichen, nicht überdachten Innenhof des Geländes. Dieser Kubus ist ein Teil der rund 400.000 Bücher umfassenden Bibliothek des BMJV.
restaurierter Gebäudekomplex des BMJV.

In dem restaurierten Gebäudekomplex hat die Bundesregierung ihr Vorhaben umgesetzt, den Energieverbrauch der Regierungsgebäude bei den Neu- und Umbaumaßnahmen in Berlin soweit wie möglich zu reduzieren und regenerative Energien zu nutzen.

Auf den Glasdächern der Innenhöfe wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die bei ausreichendem Sonnenschein rund 100 Büroarbeitsplätze mit Strom versorgen kann; insgesamt erzeugt sie pro Jahr eine Strommenge von ca. 21.000 kWh und damit eine Menge, die sechs Haushalte pro Jahr durchschnittlich benötigen. Solarkollektoren auf einem der Dächer des Gebäudekomplexes sorgen für einen Teil der Warmwasserbereitung, sodass ca. 16.000 kWh pro Jahr Fernwärme vermieden werden können.