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Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Saskia in London

Hallo! Um mich kurz vorzustellen, ich bin Saskia Parthen und bin im September 2010 nach Berlin gezogen, um meine Ausbildung zur Fachangestellten für Bürokommunikation im Bundesministerium der Justiz zu beginnen. Im Rahmen dieser Ausbildung habe ich mich entschieden, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Von dem Weg dorthin, dem Aufenthalt selbst und die Erfahrungen, die ich sammeln durfte, werde ich euch im Folgenden berichten.

Saskia in London Saskia in London

Alles begann im Sommer/Herbst 2011. Jedes Jahr bietet unsere Berufsschule, das Oberstufenzentrum für Bürowirtschaft und Verwaltung, im Rahmen des "Leonardo da Vinci"-Projektes, ein europäisches Projekt für berufliche Bildung, Förderungen an. Speziell bietet es jungen Arbeitnehmern und Auszubilden die Möglichkeit an, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Für das Schuljahr 2011/2012 waren acht bis zehn Wochen vorgesehen, was mir persönlich leider zu lang erschien. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung auf solch eine interessante Erfahrung schon aufgegeben, als sich eines Tages durch eine einfache E-Mail alles änderte. Der Verein "Kids & Co." hatte sich an einige Berufsschulen gewandt, da diese ebenfalls das Leonardo-Projekt anboten und noch einige Restplätze zu vergeben hatten. "Kids & Co." bietet schon seit einigen Jahren Praktika in Burnley, England, für die Dauer von drei bis vier Wochen an. Sofort setzte ich mich mit der Organisation in Verbindung und schon wenige Wochen später fand ich mich, zusammen mit meiner Schulkameradin und Freundin Jessica, in der ersten Informationsveranstaltung wieder.

Ein Auslandaufenthalt in England würde nicht nur meine Sprachkenntnisse deutlich verbessern, sondern auch einen tiefen Einblick in den Lebensstil und die Kultur der Engländer ermöglichen. Ich überlegte nicht lange und entschied mich für eine Bewerbung, denn wann bekommt man schon einmal solch eine Gelegenheit?

Schon am nächsten Tag informierte ich meine Ausbildungsleitung und hoffte, dass mein Vorhaben auf Zustimmung trifft. Ich bekam grünes Licht, jetzt musste nur noch meine Bewerbung auf Zustimmung treffen. Auch dabei ließ das Glück nicht von mir ab und schnell stand fest, dass dem Projekt "England April/Mai 2012" nichts mehr im Wege stand, dachte ich...
Einige Wochen vergingen in voller Vorfreunde auf die große Reise, bis mich die Hiobs-Botschaft traf: Die Reise nach Burnley konnte wegen personellen Schwierigkeiten nicht stattfinden! Was nun? Die Organisation "Kids & Co." versuchte nun, eine Lösung zu finden, denn das Projekt abzublasen wäre für alle Beteiligten keine Option gewesen. Es musste also nach einer anderen Möglichkeit gesucht werden, um das Projekt aufrecht zu erhalten. Nach tagelangen Überlegungen und scheinbar endlosen Hoffen und Bangen kam der erlösende Anruf. Das Projekt sollte stattfinden, England sollte es bleiben und schließlich dann der Zielort, London! Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können. Nun stand also endgültig fest, dass ich die Möglichkeit erhalten würde, in London zu arbeiten und zu leben.

Im Folgenden werde ich nun über die Arbeit, das Leben und natürlich auch die Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte, eingehen.

London

Am 15. April 2012, einer Woche nach Ostern, war es dann endlich so weit. Am Flughafen Berlin-Schönefeld verabschiedete ich mich von meiner Familie und trat zusammen mit Jessica den knapp 2-stündigen Flug nach London-Luton an. Am Flughafen wurden wir von unserem Fahrer James in Empfang genommen und zu unserer Unterkunft, einer Wohnung im Londoner Stadtteil Peckham, gefahren.

Sehenswürdigkeiten in London

Die Hauptstadt Englands hat über acht Millionen Einwohner und ist geprägt durch seine Multikulturalität und Schnelllebigkeit. Eigentlich war ich durch mein Leben in Berlin an die Großstadt gewöhnt, aber London ist einfach anders. Schon am ersten Abend, ein Sonntag, wurde mir bewusst, wie viele unterschiedliche Nationalitäten, Kulturen und Religionen hier aufeinander treffen.
London, eines der wichtigsten Kultur-, Finanz und Handelszentren der Welt, war nun also für die nächsten drei Wochen unser Zuhause und das nicht etwa als Tourist im Stadtteil Westminster, Kensington oder Chelsea, denn wir wohnten im bürgerlichen und etwas außerhalb gelegenem Peckham und lernten dort das wahre Londoner Leben kennen.
Bus und Bahn waren fußläufig zu erreichen und waren unsere direkte Verbindung zur Innenstadt, die ca. 25 Minuten entfernt lag. Auch die Einkaufsmöglichkeiten waren schnell erreicht, wie zum Beispiel die bekannte Kette "Tesco". Die Lebensmittelpreise in England liegen deutlich über dem Preisniveau in Deutschland. Die meisten Lebensmittelketten haben jedoch 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Es dauerte einige Tage, bis wir uns an das Essen in London gewöhnt hatten. Man sollte jedenfalls wissen, dass gesunde Ernährung in England weder einfach, noch preisgünstig ist. Selbst einfaches Mischbrot, wenn man es denn findet, und Salat zählten zu den teuersten Lebensmitteln.

Weniger Probleme bereitete uns die Verständigung, die Engländer sprechen ein sehr klares British English, das "Schulenglisch", und sind dadurch fast akzentfrei.

Arbeit

Den Großteil der Vorbereitungen wurden von der Partnerorganisation "Embrace Ltd." getroffen. Sie kümmerten sich um unsere Unterkunft, um das Finanzielle, um unsere Betreuung vor Ort und um die Wahl des Arbeitsplatzes, der auf unsere Aufgaben und Zielvorstellungen in Deutschland ausgerichtet war. So kam ich zu meinem Arbeitsplatz im Council of Lambeth. Das Council of Lambeth ist vergleichbar mit einer Art Bezirksverwaltung, jedoch ist es nicht dasselbe. London ist gegliedert in 33 Bezirke, davon war einer der Bezirke Lambeth. Für jeden dieser Bezirke gibt es eine zuständige Behörde, in dieser fließt jedoch alles zusammen, gegliedert in Abteilungen, wie zum Beispiel für das Arbeitswesen, das Bauwesen, eine Abteilung für das Umweltwesen und viele andere. Ich erhielt meinen Praktikumsplatz in der Abteilung "Employment and Enterprise", diese beschäftigte sich zum einen mit der Arbeitsvermittlung und Unterstützung, sozusagen ein Arbeitsamt, zum anderen mit Bau- und Stadtentwicklung.

Moses, ein Mitarbeiter von Embrace Ltd., begleitete mich an meinem ersten Arbeitstag und war bei meiner Vorstellung zur möglichen Unterstützung dabei. Ich lernte nun also meine beiden Supervisor Philipp und Jeremy kennen. Nach dem ersten Gespräch verabschiedete sich Moses und schon folgte der erste Rundgang durch die Abteilung. Ich wurde sehr herzlich begrüßt und jedem einzelnen Mitarbeiter vorgestellt, wobei ich dabei schon sehr intensiv auf meine bisherigen Sprachkenntnisse getestet wurde. Jessica und ich waren in unterschiedlichen Unternehmen eingesetzt, damit man tagsüber nur Englisch sprechen konnte. Einige würden sagen, ich wurde ins kalte Wasser geworfen, aber es war erstaunlich, welche Sprachkenntnisse in einem stecken, wenn niemand anderes deine Sprache spricht. Das Kollegium war sehr multikulturell und aus verschiedenen Nationen, was dazu führte, dass ich mit den verschiedenen Akzenten umzugehen lernte.
Anfangs bestand meine Hauptaufgabe darin, im Internet zu recherchieren und Infos über sämtliche Geschäfte und Attraktionen zu sammeln, woraus später ein Verzeichnis im Internet erstellt werden sollte. Mein Arbeitsplatz befand sich direkt neben Philips’ Platz, der mir notfalls jederzeit helfen konnte. Gegen Ende der ersten Woche folgten dann die ersten Meetings, an denen ich dann auch teilnehmen durfte.
Jedes Mal wenn mir ein neues Gesicht begegnete, wurde ich vorgestellt oder stellte mich ausführlich selbst vor, scheinbar war es selten, dass Praktikanten aus dem Ausland dort arbeiten. Ich merkte schnell, wie sich mein Englisch stetig verbesserte und so bekam ich schon am Ende der ersten Woche die Aufgabe, eine Zusammenfassung über ein Meeting zu schreiben, welches durch Jeremy geleitet wurde. Er war es auch, der die Zusammenfassung „kontrollierte“, um auch mein geschriebenes Englisch zu verbessern.
Neben der Teilnahme an Meetings und der Recherche bekam ich nun auch die Aufgabe, telefonisch Auskünfte einzuholen, das kostete Überwindung, wurde aber sehr gut aufgenommen.

Das einprägsamste Erlebnis war ein Meeting der etwas anderen Art. Jeremy informierte mich an einem Donnerstag über den „Walk through Brixton“, einem Meeting am darauffolgenden Montag. Es ging um die Kriminalität im Bezirksteil Brixton, in dem es bestimmte Brennpunkte gab, die stärker durch die Polizei betreut werden sollten. In England arbeitet die Polizei sehr eng mit den örtlichen Behörden zusammen. Natürlich war mir bewusst, dass „Walk through Brixton“ wörtlich übersetzt „Gang durch Brixton“ hieß, aber ich dachte trotzdem, dass dieser Name rein im übertragenen Sinne galt und so erschien ich am Montag darauf mit Ballerinas und einem dünnen Jäckchen im Büro. Als ich Jeremy traf und er mich sah, erinnerte er mich nochmals an das Meeting, worauf ich mir aber nichts einbildete, jedenfalls noch nicht. Zwei Stunden später fand ich mich bei 15° C und Sprühregen in Brixton wieder und spazierte dann zusammen mit Jeremy, Linda und einem Polizeibeamten durch die engen Gassen und Straßen Brixtons, bis ich bis auf die Knochen gefroren habe und meine Füße kaum noch spürte. Gott sei Dank gab es anschließend eine heiße Tasse Tee beim Lunch und natürlich die Erfahrung, dass man die Engländer lieber beim Wort nehmen sollte.

Ich wuchs an meinen Aufgaben und wurde letztendlich als volles Teammitglied anerkannt, was mir viel Freude bereitete. Ich bin froh, solch einen tollen Arbeitspatz erhalten zu haben und ebenso glücklich darüber, nicht nur tolle Kollegen, sondern auch Freunde gefunden zu haben.

Freizeit

Der größte Vorteil an der Freizeitgestaltung lag darin, dass ich nicht alleine war. Jessica und ich erkundeten schon in den ersten Tagen die Umgebung und planten die Wochenenden. An den Werktagen waren wir eher selten unterwegs, denn in Großbritannien ticken die Uhren etwas anders, dort beginnen die Arbeitstage meist nicht vor 10 Uhr am Morgen und enden später als hier in Deutschland.

Unser erstes Wochenende startete schon Freitag in der Mittagszeit, denn freitags waren wir zu Sprachkursen und Auswertungsgesprächen in der Zentrale von Embrace. Somit fuhren wir mit der U-Bahn ins Westfield Shopping Centre nach Stratford, direkt neben dem Olympiapark, ein größeres Einkaufszentrum habe ich vorher nie gesehen.
Das restliche Wochenende beschäftigten wir uns mit Sight Seeing. Unser Weg führte uns vom Big Ben über die Westminster Abbey bis hin zu den Houses of Parliaments. Natürlich durfte auch unser Besuch bei der Queen nicht fehlen und so liefen wir durch den Green Park zum Buckingham Palace und anschließend durch den St. James Park. Als echten Geheimtipp empfehle ich jedem den Queen Victoria Memorial Garden, dieser grenzt unmittelbar an den St. James Park an und ist einer der schönsten Orte, die ich je gesehen habe. Die Zeit war vermutlich entscheidend, denn alle Bäume und Blumen standen in voller Blüte und so sind herrliche Erinnerungsfotos entstanden. Nebenbei sei erwähnt, dass dies der leider nahezu einzige regenfreie Tag war, denn zu unserem Bedauern haben wir über die drei Wochen das typische englische Wetter zu spüren bekommen. An einem dieser regenreichen Tage besuchten wir das British Museum, wobei ein Tag uns sehr knapp erschien, um alles zu besichtigen.

Am zweiten Wochenende nahmen wir uns den Tipp eines Arbeitskollegen zu Herzen, setzten uns in den Zug und fuhren nach Brighton. Brighton befindet sich an der Südküste Englands mit Postkartenidylle. Schon vom Bahnhof war am Ende der Straße das Meer zu erkennen und so schlenderten wir Richtung Strand und Pier über einige schmale Gassen mit vielen kleinen Cafes und Eckkneipen. Die Küstenstraße und der Pier waren mit Fahrgeschäften und Souvenirshops belegt. Auch an diesem Tag spielte das Wetter nicht mit und so mussten wir uns mit den starken Winden und dem leichten Sprühregen abfinden. Es war trotz der schlechten Bedingungen ein sehr schöner, empfehlenswerter Tagesausflug und bei einer nur einstündigen Fahrzeit ein absolutes Muss.
Resultat des verregneten Wetters war leider eine Grippe, die uns beide heimsuchte und dazu führte, dass wir das restliche Wochenende im Bett verbringen mussten.

Abschließende Worte

Ich kann nach dieser großartigen Erfahrung sagen, dass ich absolut nichts falsch gemacht habe und würde auch jederzeit wieder solch eine Chance ergreifen. Am einprägsamsten war die völlig andere Mentalität der Engländer. Eine solche Offenheit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft habe ich bisher in keinem anderen Land kennenlernen dürfen. Auch das Arbeitsleben ist ein anderes, die richtigen Worte finde ich hierfür jedoch nicht. Das Verhältnis zwischen mir und meinen Kollegen war, obwohl ich eine Fremde war, von Beginn an warmherzig und freundschaftlich.

Um den Vergleich mit Deutschland zu ziehen, stelle ich die Behauptung auf, dass es hier meist um Richtlinien und Regeln geht, die es bei der Erreichung eines Ziels einzuhalten gilt. In England zählt das Ziel selbst viel mehr, der Weg und die Art und Weise sind variabel. Das heißt, wenn jemand etwas auf eine andere Art und Weise besser kann als es die Richtlinien vorgeben, dann gibt es einen flexiblen Spielraum, was zu einem sehr angenehmen Alltag und Arbeitsklima führt. Alles in Allem wirken die Engländer sehr ausgeglichenen und zufriedenen.

Ich bin froh, diese angenehmen und freundlichen Leute kennengelernt zu haben und stehe bis heute mit Ihnen in Kontakt. Auch ein erneuter Besuch in London ist geplant.
Bis es so weit ist, werde ich mich immer wieder gerne an die schöne Zeit zurückerinnern.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mir diesen Auslandsaufenthalt ermöglicht haben. Ich danke Kids & Co. für die Vorbereitung und Vermittlung. Ich danke auch Embrace Ltd. für die Unterstützung vor Ort und die erlangten Erfahrungen aus den Gesprächen.

Des Weiteren danke ich besonders meiner Ausbildungsleitung, die mir diesen Aufenthalt erst möglich gemacht hat. Zu guter Letzt danke ich natürlich auch meinen Eltern, die zu jeder Zeit hinter mir standen und auch meinem Bruder, mit dem ich in täglichem Kontakt stand und meine Erlebnisse austauschen konnte.

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